Witz, Wahnsinn, Wahrheit
Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexico» ist keine Oper, wie es sie von Graun, Spontini oder Sessions zum selben Thema gibt. Man könnte sogar sagen: Hier schreibt jemand an gegen die Oper, gegen ihren Guckkasten, gegen erwartbare Gefühle, gegen lineares Erzählen, gegen eine Musik, die psychologisieren will, gegen eine Sprache, die bloß als Figurenrede daherkommt. Es gibt keine Handlung, sondern Texte verschiedener Herkunft, die sich palimpsestartig überschreiben. Die Sprache will nicht irgendwelche Information übermitteln, sondern Beziehungsfelder aufreißen.
Auch die Musik sucht das Fragmentarische, versteht sich als Tat im emphatischen Sinn. Ein gewaltiges Stück über die Gewalt. Ein experimenteller Kraftausbruch. Sein Thema: der, die, das Fremde. Als das Stück vor fast 25 Jahren in Hamburg herauskam, wirkte es wie eine wild-wüste, bruitistisch aufgeladene Phantasmagorie. Seitdem ist es verschiedentlich nachgespielt worden und hat andere Seiten freigegeben. Es ließ sich zum Beispiel (in Frankfurt, siehe OW 3/2001) als kühle, gleichwohl luzide Konfliktspirale vorführen. Als Gerard Mortier das Teatro Real in Madrid übernahm, war es ein Mittel, den Spaniern einen Spiegel vorzuhalten und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Preisfrage: Zwei Abende «Pique Dame» in einer Neuinszenierung vom Sankt Petersburger Mariinsky-Theater, und zwei Abende «Le nozze di Figaro» mit Galabesetzung, aber konzertant – was beschert den Baden-Badener Sommerfestspielen die größere Publikumsnachfrage? Antwort: Mozart. Dabei bereitet die Tschaikowsky-Produktion auch einem mit «Regietheater» mitteleuropäischer...
Fünf Holzstühle, vorn rechts. Fünf Grablichter. Vor jedem Stuhl eines. Sonst ist nichts zu sehen, wenn zu Beginn des dritten Aufzugs die Streicher trauertrunken, «mäßig bewegt», in sehrendem Klageton verkünden, dass dem liebesglühend-todessüchtigen Paar auf Erden wohl nicht mehr zu helfen ist. Kareol liegt im Dunkel. Im opaken Dunst eines Nirgendwo. Zum leeren...
Mitte August konnte man sie noch herunterladen. Die Saisonübersicht 2015/16 der Oper Köln, Ende Mai erst fertig geworden. Neun Premieren, acht Wiederaufnahmen, drei Tanzgastspiele im großen Haus. «Die Zeit des Interims ist vorbei», jubelt Oberbürgermeister Jürgen Roters in seinem Grußwort. Und Intendantin Birgit Meyer fiebert dem Einzug ins alte Heim mit Wagners...
