Wette mit dem Wettergott
Ob das so eine gute Idee war? Seit die Freiluftbühne der Schlossfestspiele Schwerin direkt aufs Schloss ausgerichtet ist, hat man zwar den Blick auf eine prächtige Architekturkulisse und den weiten See. Doch die Akteure wirken zwergenhaft. Ständig will das Auge über das Turm-und-Zinnen-Gebirge der Schloss-Silhouette schweifen.
Und dieser Versuchung erliegt es während Georg Rooterings Inszenierung von «La traviata» umso häufiger, als der Regisseur, der nach «Eugen Onegin» und «Nabucco» zum dritten Mal für das Sommerfestival des Staatstheaters arbeitet, nie über Konventionelles, Erwartbares hinausfindet. Laszive Rottöne beleuchten die Welt der Kurtisane. Ein breiter Rahmen fasst die Bühne ein, Stellwände schließen sie nach hinten ab. Manchmal öffnen sie sich, dann dominiert das Schloss das Panorama. Ein paar Sofas und Chaiselongues bilden das Mobiliar. Rootering verlässt sich im Wesentlichen auf seinen Ausstatter Romaine Fauchère, zumal auf die mit Hingabe entworfenen Kostüme, alle im Stil der Entstehungszeit der Oper, mittleres 19. Jahrhundert also. Viel Frack und Zylinder, Rüschen, Handschuhe, Federn, mehrlagige Röcke. Eine Opulenz, die eine empfindliche Schwäche der Produktion ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Udo Badelt
Aus Böhmens Hain und Fluren ist in Hannover ein eher abstrakter Ort geworden. Ausstatterin Dieuweke van Reij hat als Bühnenrahmen für Janáceks «Jenufa» die Umrisse eines Hauses zimmern lassen. Im Hintergrund eine stilisierte Hügellandschaft. Requisiten lassen auf Landlust (und Landfrust) schließen: Melkschemel, Zinkwanne, eine Wand von Getreidesäcken.
Weil...
Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die...
Bei der Uraufführung am 28. November 1813 in Neapels Teatro San Carlo sang Isabella Colbran die Titelpartie. Zehn Jahre später gab Giuditta Pasta die korinthische Königstochter in einer überarbeiteten Fassung. Doch bald sollte Simon Mayrs «Medea in Corinto» von Luigi Cherubinis bereits 1797 komponierter «Médée» überflügelt werden – und geriet in Vergessenheit. Ihre...
