«Wir können nicht einfach auf Turbo schalten»
Frau Breedt, Sie sind leidenschaftliche Golferin. Was hat dieser Sport eigentlich mit dem Singen zu tun?
Viel! Golfen bedeutet kontrolliertes Loslassen. Erforderlich ist ein genauer Bewegungsablauf ohne zu viel Kraftaufwand, vor allem aber die richtige Balance. Wenn man sich beim Schlag zu sehr versteift, fliegt der Ball nicht richtig. Und wenn man beim Singen zu sehr verkrampft, kommt eben der Ton auch nicht wie gewünscht heraus. Manche finden dieses kontrollierte Loslassen schnell, manche müssen es sich erkämpfen.
Immer diese Balance zu finden – daran muss man ein ganzes Sängerleben lang arbeiten.
Kamen Sie auf direkten Weg zum Gesang?
In meiner südafrikanischen Heimat wollte ich eigentlich in die Forschung gehen – Biologie oder Medizin. Meine erste Oper habe ich erst zu Beginn meines Studiums gesehen. Singen, das hatte für mich als Pfarrerstochter mit Kirchenliedern und Gemeinde zu tun. Gut, meine Eltern besaßen eine große Plattensammlung, beide konnten gut singen, doch das nächste Opernhaus war weit weg. Musik war nichts Hochheiliges, man machte das einfach. Mein Vater musste oft zu entlegenen Gemeinden reisen, da haben wir im Auto viel Musik gehört. Irgendwann hörte mich eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel
«Alfred», die erste der elf Opern Dvoráks, ist ein Kuriosum. Überall hört man Wagner-Themen in dem gut zweistündigen Dreiakter aus den Jahren 1869/70. Und zwar meist in Situationen, zu denen sie nicht passen. Die gefangenen Briten werden zum Einzug der Wartburggäste herein- und mit dem hinkenden Beckmesser-Motiv wieder abgeführt. König Harald von Dänemark hält...
Händels Oratorium «Saul» hat seit jeher das Zeug zu bühnenwirksamem Musiktheater gehabt. Bei der Uraufführung im Londoner King’s Theatre 1739 konnte das Publikum neben dem Libretto von Charles Jennen auch szenische Anweisungen im Programmheft studieren. In Glyndebourne entführt Barrie Koskys Inszenierung der alttestamentarischen Fabel um Missgunst und Neid in eine...
Elke Heidenreich und ihr Partner, der Komponist Marc-Aurel Floros – sie leiden. Leiden an der zeitgenössischen Musik, an ihrer Unfähigkeit, das Herz zu erreichen. «Die Avantgarde ist geboren aus dem Entsetzen und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts», schreibt Floros. «Diese kann sie auch hervorragend ausdrücken. Aber damit sind ihre Möglichkeiten weitgehend...
