«Wir können nicht einfach auf Turbo schalten»

Zum Singen kam die Pfarrerstochter aus Südafrika in der Kirche. Seit ihr Talent entdeckt wurde, hat Michelle Breedt die Stimme behutsam reifen lassen. Zuletzt stand sie in Wien, Zürich und München als Brangäne auf der Bühne; in Bayreuth war sie die Venus der 2014 abgesetzten «Tannhäuser»-Produktion. Zudem lehrt die Mezzosopranistin an der Münchner Musikhochschule. Was sie über Ausbildungsdefizite, kurze Karrieren, unwissende Besetzungsbüros, laute Orchester und Marktzwänge zu sagen hat, geht nicht nur die Verantwortlichen an

Frau Breedt, Sie sind leidenschaftliche Golferin. Was hat dieser Sport eigentlich mit dem Singen zu tun?
Viel! Golfen bedeutet kontrolliertes Loslassen. Erforderlich ist ein genauer Bewegungsablauf ohne zu viel Kraftaufwand, vor allem aber die richtige Balance. Wenn man sich beim Schlag zu sehr versteift, fliegt der Ball nicht richtig. Und wenn man beim Singen zu sehr verkrampft, kommt eben der Ton auch nicht wie gewünscht heraus. Manche finden dieses kontrollierte Loslassen schnell, manche müssen es sich erkämpfen.

Immer diese Balance zu finden – daran muss man ein ganzes Sängerleben lang arbeiten.

Kamen Sie auf direkten Weg zum Gesang?

In meiner südafrikanischen Heimat wollte ich eigentlich in die Forschung gehen – Biologie oder Medizin. Meine erste Oper habe ich erst zu Beginn meines Studiums gesehen. Singen, das hatte für mich als Pfarrerstochter mit Kirchenliedern und Gemeinde zu tun. Gut, meine Eltern besaßen eine große Plattensammlung, beide konnten gut singen, doch das nächste Opernhaus war weit weg. Musik war nichts Hochheiliges, man machte das einfach. Mein Vater musste oft zu entlegenen Gemeinden reisen, da haben wir im Auto viel Musik gehört. Irgendwann hörte mich eine ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel

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56. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752282

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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 14.08.2015

Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S....

Infos

Abschied

Er war zunächst Autolackierer und besaß einen eigenen Betrieb in seiner Heimatstadt Graz, bevor er sich 1960 zu einem Gesangsstudium entschloss und bereits vier Jahre später als Graf Almaviva in Rossinis «Barbier von Sevilla» debütierte. Von 1967 bis 1969 war Josef Hopferwieser am Opernhaus Essen engagiert, dann von 1969 bis 1973 festes Ensemblemitglied der...

Naiv im besten Sinne

Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die...