Baden-Badener Auflauf
Preisfrage: Zwei Abende «Pique Dame» in einer Neuinszenierung vom Sankt Petersburger Mariinsky-Theater, und zwei Abende «Le nozze di Figaro» mit Galabesetzung, aber konzertant – was beschert den Baden-Badener Sommerfestspielen die größere Publikumsnachfrage? Antwort: Mozart. Dabei bereitet die Tschaikowsky-Produktion auch einem mit «Regietheater» mitteleuropäischer Couleur fremdelnden Publikum keinerlei Schwierigkeiten.
Alexei Stepanyuk und seine Ausstatter Alexander Orlov (Bühne) und Irina Cherednikova (Kostüme) bieten Opulenz fürs Auge, schaffen es aber auch, unter extensivem Einsatz der Bühnenmaschinerie Räume filmisch zu verdichten und so die auskomponierten Wechsel von großen Ensemblebildern zu lyrischer Melancholie visuell zu begleiten. Der Regisseur spielt mit symbolhaften Elementen, aber nichts ist verrätselt: Da steht etwa ein kleines Kartenhaus an der Bühnenrampe, das – natürlich – in dem Moment einstürzt, in dem Hermann sein
Lebensglück verspielt.
Die Extrovertiertheit dieser Spielernatur fängt Mikhail Vekua gut mit seinem kraftvollen, slawisch flutenden Tenor ein. Allerdings geraten ihm die Fortissimo-Ausbrüche in der Höhe deutlich zu scharf, zudem leicht unsauber. Irina ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Alexander Dick
Nicht einmal zweieinhalb Minuten toben die Naturgewalten. Tastendonner aus Subkontra-Zonen. Gespenstisch, gewitterdunkel weht es von Streichern. Schlagwerk und Gitarre heizen die Atmosphäre auf. Bald erreichen die Klangböen Orkanstärke. Es prasselt, rauscht, dröhnt und faucht, als riefe der Herrgott zum Jüngsten Gericht. Dann drehen die rasenden Kräfte ab, so...
Ob der ernste oder der halbernste – Rossini gilt in erster Linie als Sängerfutter. Deshalb geben sich Intendanten und Impresari meist damit zufrieden, um ein paar Vokal-Stars herum dekorative Arrangements zu schaffen. Zu selten werden die szenischen Herausforderungen, die in den Stücken stecken, von Regisseuren angenommen. In Pesaro bot vor zwei Jahren die...
Während des Finales des diesjährigen Belvedere Wettbewerbs, das nach 2013 zum zweiten Mal in Amsterdam ausgetragen wurde, dachten wir an Anselm Gerhards «Einspruch aus dem Elfenbeintrum» im Juli-Heft und seine Forderung nach expressivem, wenn nötig hässlichem Gesang. Freilich, was unter Donizetti und Verdi als hässlich galt, ginge heute vermutlich als schön...
