Witz ohne Aberwitz
Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Jacobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber immer subtil ausziseliert. Erzlaute, Theorbe und Harfe des brillanten Concerto Vocale sind fein aufeinander abgestimmt.
Nicht einmal wenn die von Nero verstoßene Kaisergattin Ottavia (kühl: Marie-Claude Chappuis) von Rom Abschied nimmt und ihr entsetztes «Addio» stammelt, kommen die sonst üblichen Messerstiche aus dem Orchestergraben. Stattdessen werden ein paar Akkorde sanft gezupft.
Jacobs weiß um die Intimität der venezianischen Uraufführung und weitet den Rahmen, um der Berliner Staatsoper zu geben, was sie akustisch braucht, ohne die Musik zu übermalen. Die Sänger, damit gleichermaßen unterstützt wie herausgefordert, schaffen Ausgleich zwischen dem, was man später Rezitativ und Arioso nannte: Monteverdis schlichtes, schweres «parlar cantando». Sie haben durchweg kleine Stimmen, passen sich kunstvoll ins Klangbild ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von einer Pendlerpauschale ist nichts bekannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmächtiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leistete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hosterwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der...
Auf den Tischen im Coburger Theater-Büffet stehen Glasvasen mit orangefarbenen Tulpen. Und an jeder Blume baumelt ein gelbes Schiffchen aus Papier. Für das Haus im fränkischen Norden ist die Premiere des «Fliegenden Holländer» ein Großereignis – da gibt man sich Mühe. Die Firma Brose (Fahrzeugteile) unterstützt das Not leidende Theater beim Engagement der...
Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen...
