Ensemblegeist
Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu zeitgleich auf zwei CD-Neuproduktionen erscheint.
Von welcher anderen Mozart-Oper ließe sich das im Jubiläumsjahr behaupten? Während wir auf die Version unter René Jacobs noch ein wenig warten müssen, liegt die Produktion mit Charles Mackerras, aufgenommen kurz vor dem Edinburgh Festival im August 2005, bereits vor.
Schon die Ouvertüre hält nach drei Takten eine erste Überraschung parat. Mackerras und das Schottische Kammerorchester drosseln zwischen den Vierteln und der halben Note das Tempo. Das klingt verdächtig romantisch. Ein Streitfall, gewiss. Doch sobald die Geigen mit Pizzicati und die Holzbläser mit ersten Kantilenen beschäftigt sind, hält Mackerras das Tempo konstant. Es scheint, als wolle er jedem die Bedeutung dieses C-Dur mit seinem leuchtenden, klaren und leicht martialischen Duktus ins Ohr einschreiben.
Mackerra ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Aufführungen an deutschen Theatern kommt....
Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen...
Das Stück hört sich fast so an, als hätten sich Meyerbeer, Puccini und Mascagni zusammengetan, um einen neuen «Boris Godunow» zu schreiben. Aber mehr als eine plakative Kopie der «Grande Opéra» mit – teilweise – heutigen Mitteln ist nicht dabei herausgekommen, gestützt auf einen lehrhaft-banalen Text und belastet von der ermüdenden Länge des...
