Wir sind systemrelevant
Ich denke, die Opernhäuser und Orchester, aber auch wir Künstler selbst werden drei bittere Lehren aus der durch Corona erzwungenen Spielpause ziehen müssen:
2) Von allen vollmundig von der Politik angekündigten «unbürokratischen» Corona-Hilfen ist im Gegensatz zur freien Wirtschaft bei den freiberuflichen Künstlern bis heute nur ein Bruchteil angekommen, und das, obwohl praktisch allen Solo-Selbstständigen ihre gesamten Einnahmen auf Monate hinaus wegbrechen und dadurch viele von ihnen gezwungen sind, entweder ihre mühsam angesparte Altersversorgung – soweit vorhanden – anzutasten oder Hartz 4 zu beantragen und dafür zum Teil gar noch aufgefordert werden, ihre Instrumente zu verkaufen.
3) Die deutsche Kreativwirtschaft ist mit über 100 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung jährlich der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland, ihr «Leuchtturm», unsere weltweit einmalige Theater- und Orchesterlandschaft ist für die Aufnahme in das immaterielle Unesco-Weltkulturerbe nominiert. Während aber andere Branchen ganz schnell und in beeindruckender Geschlossenheit die Politik unter Druck setzten, fehlt uns eine «schlagkräftige» Einigkeit: Durch Corona driften die immer schon zu ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 38
von Will Humburg
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut...
Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es...
Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
