Mach's wie Wagner

In seinem Opernerstling «Alfred» verarbeitet Antonín Dvorák Abgelauschtes

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«Alfred», die erste der elf Opern Dvoráks, ist ein Kuriosum. Überall hört man Wagner-Themen in dem gut zweistündigen Dreiakter aus den Jahren 1869/70. Und zwar meist in Situationen, zu denen sie nicht passen. Die gefangenen Briten werden zum Einzug der Wartburggäste herein- und mit dem hinkenden Beckmesser-Motiv wieder ab­ge­führt. König Harald von Dänemark hält seine Ansprache zum Gottes­gerichts-Motiv aus «Lohengrin», das auch sonst allgegenwärtig ist.

Das Englischhorn verliert sich wie der junge «Tannhäuser»-Hirt in ziellosen Tagträumen, wo Harald dem schwarzsehenden Barden Gothron vom Text her ins Wort fällt. Den «Mordstahl» umflirrt heftigstes Streichertremolo wie Wagners «Holländer»-Schiff. Haralds «Arie» endet mit dem «Tannhäuser»-Finale. Obwohl Bösewicht, ist der Heldentenor Lohengrins musikalischer Doppelgänger. Durch die von ihm bedrängte Heldenjungfrau Alwina hören wir Elsa. Die sinfonische Ouvertüre hat «Meistersinger»-Dimensionen. Sie beginnt so hinreißend wie eigenständig, um im Mittelteil Tannhäusers Preislied und das «Meistersinger»-Motiv mit sehrenden «Tristan»-Vorhalten zu verbinden.

Solche Wagnerismen erklären sich, wenn man die Biografie des 29-jährigen ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 48
von Boris Kehrmann

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