Wintereinsamkeit
Wäre nicht «Isolde und Tristan» der ehrlichere Titel, «Die Kameliendame» womöglich besser als «La traviata», «Die Marschallin» passender als «Der Rosenkavalier»? Darüber ließe sich streiten. Ziemlich unstrittig dürfte hingegen sein, dass der Name «Vanessa» zwar weit mehr Sexappeal als das biedere «Erika» hat, mit Blick auf die Charaktere und die Handlung von Samuel Barbers erster Oper (der noch «A Hand of Bridge» und «Antony and Cleopatra» folgen sollten) jedoch eindeutig aus einer irreführenden Taufe resultiert.
Denn diese Vanessa ist eine ältere Lady, die auf die Rückkehr eines gewissen Anatol wartet und dann, als statt des früheren Liebhabers dessen gleichnamiger Sohn eintrifft, diesen heiratet – eine mutwillige Illusionierung und seitens des viel zu jungen Gatten eine verlogene Geschichte, weil es ihm nur um Vanessas Reichtum geht. Ihre Nichte Erika hingegen verliebt sich sofort in Anatol, verbringt mit ihm eine leidenschaftliche Nacht, wird beiseitegeschoben, will sich das Leben nehmen und verliert das gemeinsame Kind. Am Ende reisen Vanessa und Anatol nach Paris, während Erika allein zurückbleibt und die letzte große Arie singt, nunmehr demselben Schicksal entgegensehend wie ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Volker Tarnow
Der 5. März 1953 ist in die Geschichtsbücher als jener Tag eingegangen, an dem zwei Menschen das Zeitliche segneten, deren Wirken zwar eng miteinander verknüpft war, von denen aber der eine so prominent war, dass man das Dahinscheiden das anderen darüber beinahe vergaß. Mit Josef Wissarionowitsch Stalin starb einer der übelsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts, mit...
Die Lateiner erinnern sich: Dulce et decorum est pro patria mori. Ob es Horaz tatsächlich darum zu tun war, den Tod fürs Vaterland zu nobilitieren, sei dahingestellt. Einen propagandistischen Anstrich hat die Sentenz allemal. Es geht aber noch martialischer: «Vaincre ou mourir!», «Siegen oder Sterben!» schmettern die tapferen Griechen in Gioacchino Rossinis «Le...
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