Wiedergeburt
Am 3. Dezember 2003, als noch der universell gebildete Gioacchino Lanza Tomasi Regent des Teatro San Carlo in Neapel war, wurde die Premiere von Klaus Michael Grübers und Anselm Kiefers «Elektra» einhellig gefeiert. Im Jahr darauf erhielt sie den begehrten Abbiati-Preis des Verbandes italienischer Musikkritiker.
Auch die Wiederaufnahmen an Venedigs La Fenice und Madrids Teatro Real fanden starken Zuspruch – besonders die zentripetale Wucht des Bühnenbildes aus der Werkstatt des Multikünstlers, der mit dieser Arbeit sein Operndebüt gab: eine auf der Spitze stehende Pyramide, elf Meter hoch, vier Stockwerke aus zerbeulten, weißlichen Containern, die aus Zement gebaut zu sein schienen. Wie Augenhöhlen muten die Türen an, die das Verbrechen verbergen. Auf den Zwischenböden das gemeine Volk, fatal die Wechselwirkungen zwischen den Ebenen.
Ein treffendes Bild für die höfische Hierarchie, aber auch für Hofmannsthals Dramaturgie der Klaustrophobie. Grüber und Kiefer zielen auf eine suggestive Symbolsprache: Anspielungen auf die historische Schuld Deutschlands (ein zentraler Topos in Kiefers Poetik), die mit dem Mauerfall anbrechende Zeitenwende, den Dauerkrieg in Nahost, den Ground ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali
Als Fahnenflucht, jetzt, so kurz vor der Generalsanierung, möchte er seine Entscheidung nicht verstanden wissen. Die Sache mit der zentrumsnahen Interimsspielstätte ist schließlich geklärt, die Finanzierung ohnehin, der nächste Spielplan auch. Bodo Busse kann also zum Herbst beruhigt die Saarbrücker Intendanz übernehmen. Etwas früher als geplant, am Landestheater...
Am Ende steuert alles auf den Gesamtkunstwerker zu. Naturgemäß, könnte man bei diesem Autor sagen: Auf dem weiten Feld der Wagner-Rezeption gehört Udo Bermbach zu den aktivsten Analytikern. «Wagneriana / Bayreuthiana» bildet das große Finale seines neuen Buchs. Es versammelt Reden, Programmheftbeiträge und andere Essays aus den Jahren 1999 bis 2016, die meisten...
Ja, es gibt Vorurteile gegen dieses Stück: nicht zu Unrecht. Ganz ausgereift erscheint die Geschichte nicht, wirkt zudem bei oberflächlichem Blick wie ein «Rosenkavalier»-Imitat, wie der fahle Nachhall des Geniestreichs. Ist es aber nicht, wenn man genau hinschaut. Und vor allem: hinhört. Dann wird schlaglichtartig die Vergänglichkeit der Epoche bewusst, und wie...
