Orchesterwogen in der Puppenstube

Christian Thielemanns Wiener «Hänsel und Gretel»

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Unter Kapellmeistern kursiert das Bonmot, Humperdincks «Hänsel und Gretel» sei die schönste Wagner-Oper. Und wer wäre berufener, dafür den Beweis zu erbringen, als Christian Thielemann, der mit seinem Wiener Dirigat beim Publikum Begeisterung auslöste und bei der Kritik überwiegend Zustimmung fand. Freilich wird man bei seiner Auslegung der Partitur weniger an das Waldweben im «Siegfried» erinnert als an die heroische Wucht der «Götterdämmerung».

Dass diese Musik auch mit Charme und einer leichten Beschwingtheit gespielt werden kann (und eigentlich sollte), ist hier kaum zu spüren.

Die üppige Wagnerei im Orchester steht in deutlichem Kontrast zu der betont naiven Szene. Der Regisseur Adrian Noble und sein Ausstatter Anthony Ward haben alles ausgespart, was an Abgründigem, Beunruhigendem in dem Märchen steckt, und, ausgehend von einem viktorianischen Weihnachts-Tableau, eine heile Kinderwelt geschaffen. Die ist in sich stimmig gestaltet, gleitet aber optisch, vor allem im zweiten Akt, häufig ins Kunstgewerbliche ab, im Spiel der Sänger wiederum ins Putzig-Betuliche. Die komödiantischen und dramatischen Möglichkeiten des Stücks werden im zu harmlosen dritten Akt nicht ausgeschöpft, ...

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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta

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