Orchesterwogen in der Puppenstube
Unter Kapellmeistern kursiert das Bonmot, Humperdincks «Hänsel und Gretel» sei die schönste Wagner-Oper. Und wer wäre berufener, dafür den Beweis zu erbringen, als Christian Thielemann, der mit seinem Wiener Dirigat beim Publikum Begeisterung auslöste und bei der Kritik überwiegend Zustimmung fand. Freilich wird man bei seiner Auslegung der Partitur weniger an das Waldweben im «Siegfried» erinnert als an die heroische Wucht der «Götterdämmerung».
Dass diese Musik auch mit Charme und einer leichten Beschwingtheit gespielt werden kann (und eigentlich sollte), ist hier kaum zu spüren.
Die üppige Wagnerei im Orchester steht in deutlichem Kontrast zu der betont naiven Szene. Der Regisseur Adrian Noble und sein Ausstatter Anthony Ward haben alles ausgespart, was an Abgründigem, Beunruhigendem in dem Märchen steckt, und, ausgehend von einem viktorianischen Weihnachts-Tableau, eine heile Kinderwelt geschaffen. Die ist in sich stimmig gestaltet, gleitet aber optisch, vor allem im zweiten Akt, häufig ins Kunstgewerbliche ab, im Spiel der Sänger wiederum ins Putzig-Betuliche. Die komödiantischen und dramatischen Möglichkeiten des Stücks werden im zu harmlosen dritten Akt nicht ausgeschöpft, ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
John Troutbeck ließ sich nicht erweichen. Als der Priester daran ging, Antonín Dvořáks Kantate für Soli, Chor und Orchester «Svatební Košile » ins Englische zu übertragen, änderte er den Titel. Aus den «Brauthemden» wurde kurzerhand «The Spectre’s Bride», zu Deutsch: «Die Geisterbraut», und dies zu Recht. Der Titel passt weit besser zu jener schaurig-moralischen...
Seit der Spätantike wird in Trier Theater gespielt. Und das soll wohl auch künftig so bleiben. Die Stadt sucht nach dem turbulenten Interregnum von Karl M. Sibelius eine frische künstlerische Leitung. Die Eskalation, die zum Rauswurf des Österreichers nach einem guten Jahr führte, war freilich hausgemacht, begünstigt durch Fehlleistungen der Kommunal- und...
