Wiedergänger im Aquarium

Verdi: Falstaff Frankfurt / Oper

Opernwelt - Logo

Verdis dicker, bankrotter Ritter Sir John Falstaff zeigt in Frankfurt den justiziablen Stinkefinger – allerdings nur auf dem Plakat, mit dem die Oper für Verdis bitterböse Komödie wirbt. Auf der Szene selbst geht es in Keith Warners Inszenierung eher gefällig zu. Warner, Boris Kudlicka und Kaspar Glarner (die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen), zeigen das Alterswerk des achtzigjährigen Verdi als musealen Spaß – den sie denn auch konsequent in einem dunklen, muffigen Museum des ausgehenden 19.

Jahrhunderts platzieren, mit dessen fahrbaren Glasvitrinen sich ausgiebig und virtuos intrigieren lässt. Erst im letzten Akt gibt der Raum mit der zweistöckigen hölzernen Shakespeare-Bühne dann den Rahmen für die Abreibung Falstaffs frei, bei der sich die Besitzbürger von Windsor mit ihren Frauen zum karnevalesken Maskenfest in elisabethanischen Kostümen einfinden.

Das ist, als pralle Shakespeare-Huldigung, glänzend gemacht – in einer typisch britischen Mischung aus slapstickhafter Übertreibung und ironischem Understatement, zielt allerdings an Verdis desillusioniert-desillusionierendem Spiel auf, ja mit dem Theater gänzlich vorbei. So ist auch bei Warner, wie in anderen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
«Mich kann nichts mehr erschüttern»

Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer...

Was nicht gelebt werden darf

«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was...

Belcanto modern

Christof Loys ausgefeilt-stimmige Züricher Inszenierung von Bellinis romantischem Melodramma «La straniera» (siehe OW 8/2013), von der man hoffen möchte, dass sie dem zu Unrecht vernachlässigten Stück einen ähn­lichen Innovationsschub gibt wie Jossi Wielers und Sergio Morabitos wegweisende Stuttgarter «Norma» 2002, hat – mit gänzlich neuer Besetzung – das Essener...