Der Vorantreiber
In den Künsten, zumal den darstellenden, gibt es Menschen, die man mehr oder weniger sieht. Primär den Stars ist Öffentlichkeit vergönnt. Doch die im Dunkeln – Autoren, Komponisten, Regisseure, Choreografen, Ausstatter, Dramaturgen –, die sieht man nicht. Dabei sind Interpreten auf Institutionen angewiesen, Kulturapparate, die nicht nur technisch funktionieren, sondern Künste, Produzenten und Rezipienten kreativ zusammenbringen – ja mehr noch: gesamtgesellschaftliche Visionen und Utopien als ästhetische realisieren.
Entsprechend trifft die alte Bezeichnung «Intendant» Gerard Mortier weit besser als die trostlose «Kulturmanager»: einer, der die Richtung weist, nicht einer vorgegebenen folgt. Seit er Ende der Sechzigerjahre vom Musiktheater-Feuer ergriffen wurde, hat er an der Idee festgehalten, dass Oper weder museal, elitär oder kulinarisch zu sein habe, sich vielmehr fortwährend erneuern müsse. Vielleicht kam ihm sogar zustatten, dass er weder aus dem Bildungsbürgertum kam, noch eigene künstlerische Ambitionen hatte. Das hat ihn von Anfang an vor Vorurteilen und Scheuklappen bewahrt. Als Sohn eines Bäckers, 1943 im flämischen Gent geboren, studierte er Jura und ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard R. Koch
Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es...
Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün...
Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und...
