Wie klingt «Salome»?
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Faszinosum.
Allerdings hat sich der deutende Blick auf das ungeheuerliche Geschehen fundamental verschoben: Nicht mehr die (vielfach variierte) Männerfantasie der Femme fatale prägt die Rezeption, nicht der schöne Schauer, der voyeuristische Genuss erotisch-morbider Dekadenz, sondern ein Nachdenken über verdeckte Motive und Triebkräfte. Gleich drei Häuser haben sich nun erneut mit dem Salome-Komplex beschäftigt
Geht es auch ohne Richard Strauss? Als die große Schauspielerin Edith Clever an der Berliner Schaubühne «Elektra» von Hofmannsthal inszenierte und dabei selbst die Klytämnestra spielte, funktionierte das ganz ohne bruitistische Antikenbeschwörung. Das Stück war als Schauspiel längst fertig, bevor Strauss es musikalisch in Besitz nahm. Trotzdem wurde es von der Oper verdrängt. Das gilt auch für die «Salome» von ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Stephan Mösch
«Ein bisschen absurd» sei die Angelegenheit, sagt er. «Es ist sogar etwas geisteskrank.» Schuld, Sühne, das mag da mitschwingen, wahrscheinlich auch anderes: Stolz. Zwei Premieren innerhalb von drei Tagen, Donizettis «Maria Stuarda» am Münchner Gärtnerplatz (22. März), dann Puccinis «Tosca» bei den Salzburger Osterfestspielen (24. März), das muss Michael Sturminger...
Es lebt sich anscheinend nicht allzu unangenehm auf einer verlassenen Insel. Gut, einige Büschel getrockneter Gräser und etwas Tigerfell sind den Damen nach 13 einsamen Jahren über die Roben gewachsen. Aber das Unzivilisierte bleibt noch immer zivilisiert, ebenso wie sich Felsen und Wälder in geordneten Bahnen zur klassischen Gassenbühne staffeln. Wir sind...
Was für eine Inkubationszeit! «Ein Traumspiel», die erste Oper von Aribert Reimann, wurde 1965 in Kiel uraufgeführt (dirigiert von Michael Gielen). Erst 22 Jahre später – der «Lear» war längst ein Erfolg – kam das Stück wieder auf die Bühne, diesmal in Wiesbaden. Noch einmal drei Jahrzehnte später erlebt es nun seine dritte Produktion – am Theater Hof, was einfach...
