Dienstleister und Feuerwehr
«Ein bisschen absurd» sei die Angelegenheit, sagt er. «Es ist sogar etwas geisteskrank.» Schuld, Sühne, das mag da mitschwingen, wahrscheinlich auch anderes: Stolz. Zwei Premieren innerhalb von drei Tagen, Donizettis «Maria Stuarda» am Münchner Gärtnerplatz (22. März), dann Puccinis «Tosca» bei den Salzburger Osterfestspielen (24. März), das muss Michael Sturminger erst mal einer nachmachen. Tut aber keiner. Und genau dies ist das Problem – von Sturminger.
Spätestens nach dem Einspringen beim Salzburger «Jedermann» hat der Österreicher sein Label weg: ein Regie-Feuerwehrmann, ein flotter Bühnenbediener. Oper als Fast Food, die McDonaldisierung des Musiktheaters. Schmeckt leidlich, macht satt, hält aber nicht lange vor – offenkundig eine denkbare Berufsnische.
Am meisten purzelte aus Sturmingers geschütteltem Ärmel im Großen Festspielhaus heraus. Kunststück: Für zweieinhalb «Tosca»-Stunden darf mutmaßlich ein Drittel des Gärtnerplatz-Saisonetats verjubelt werden. 20 Sekunden lang, noch bevor Christian Thielemann die ersten Akkorde durch den Saal wälzen lässt, gibt es eine mafiöse Ballerei in einer Tiefgarage. Die fährt sofort nach unten, während Angelotti nach oben ins ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Markus Thiel
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...
Eine junge Frau hält einen Totenkopf in den Händen, betrachtet ihn eingehend, wirft ihn dann von sich; ein Kind fängt den mutmaßlichen Schädel auf, er entpuppt sich als Ball. Und wir haben uns täuschen lassen. Calixto Bieito punktet, führt mit einem konkreten, angemessen schillernden Bild in seine szenische Anverwandlung von Verdis «Messa da Requiem» ein. Mutter...
Es kann ein Wagnis für die Regisseurin sein, dem Publikum vorab ihre Sicht auf das inszenierte Stück mitzuteilen, muss man sich dann doch an der eigenen Absicht messen lassen. Monique Wagemakers ging das Risiko ein. «Wir erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Siegmund, Sieglinde, Brünnhilde und den Walküren, den Kindern Wotans», wird sie im Programmheft...
