Wie in Trance
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem rächt, was er am liebsten hat – an Marie, der Mutter seines Kindes.
Die attraktive Nicola Beller Carbone, eine «Mahagonny»-Jenny eher als das arme Büchner’sche Kleinstadtflittchen, stirbt denn auch mit einem Ausdruck entsetzten Staunens im Gesicht.
Dass man sich bei der Inszenierung, die Regisseur Philipp Himmelmann und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker da auf die Bühne des Grazer Opernhauses gestemmt haben, etwa an Wieland Wagners Neubayreuth erinnert, ist kein Vorwurf, im Gegenteil: Das Hinterhirn speichert wohl große theatralische Leistungen, auf dass das Unterbewusstsein sie bei Bedarf assoziativ aufsteigen lässt. Im Falle dieses «Wozzeck» ist es die Spielscheibe, die sich dreht und wendet wie in Trance, ergänzt durch einen Sternenhimmel – eine Vielzahl von aus dem Bühnenhimmel hängenden Glühbirnen –, der Wozzeck ...
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Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon während des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Straßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua»...
Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die...
Ein Werk gewinnt an Popularität: Kurz nach Berlin (siehe OW 7/2008) brachten auch die Hallenser HändelFestspiele den mit ausführlichen Szenenanweisungen und der entsprechenden «szenisch sprechenden» Musik versehenen «Belshazzar» (1744) auf die Bühne. Mit gutem Grund: Das «Oratorium» hat alles, was eine gute Oper braucht, außer dem Namen. Und den enthielten ihm die...
