Wie im Rausch
«Ich bin kein rationaler Fotograf», sagt Matthias Creutziger über sich selbst. «Das Emotionale ist für meine Arbeit elementar.» Das Lieblingsfoto des langjährigen Hausfotografen der Dresdner Semperoper ist dafür der beste Beweis: Es zeigt die Mezzosopranistin Iris Vermillion als Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck – die Inszenierung von Günther Krämer an der Sächsischen Staatsoper stammt aus dem Jahr 2008. «In diesem Foto kommt beides zusammen», sagt Creutziger. «Es vermittelt nicht nur die Aussage des Stücks, sondern auch ein Gefühl für das Stück.
» Genau darauf komme es ihm an. «Mein Ansatz ist es, die Magie des Augenblicks einzufangen. Davon lebe ich, und deshalb bin ich überhaupt Fotograf geworden.»
Creutzigers Weg zur Opernfotografie begann Mitte der 80er-Jahre in Dresden, als er, damals freier Journalist, über befreundete Grafiker zu einer freien Künstlergruppe stieß: der «Arbeitsgruppe Theaterplakat», angedockt am Staatsschauspiel. Bei deren wöchentlichem Stammtisch tauchten regelmäßig Regisseure auf, um mit den Grafikern, Autoren und Fotografen über die Kunst des Theaters zu diskutieren. Creutzigers Faszination war geweckt. «Ich habe damals schon ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Das Theaterfoto, Seite 58
von Florian Zinnecker
Breughelland ist noch lange nicht abgebrannt. Und radioaktiv schon mal gar nicht. Da können noch so viele gelbe Giftfässer in der Philharmonie herumstehen, noch so viele Stimmakrobaten in weißen Schutzanzügen auf der Bühne wuseln und noch so viele Atompilze auf Flatscreens aufsteigen. In György Ligetis frei nach Michel de Ghelderodes Schauspiel «La Balade du Grand...
Es ist nicht ganz so schlimm, so stimmungstötend wie zuvor in der Messehalle am Rande der Stadt. Das aktuelle Exil der Augsburger Opernsparte liegt dichter am Zentrum und bietet dem Genre, freilich in konzertanter Form, seit Langem ein Zuhause. Und dennoch: 70er-Jahre-Betonschick, etwas Holz, viel Orange, keine Hinter- und Nebenbühne – auch der Kongress am Park...
Benjamin Britten war skeptisch. Vermutlich, so schrieb er nach Vollendung seines «Peter Grimes», werde kaum jemand die Oper auf der Bühne ertragen können. Warum, zeigt die Arbeit des jungen österreichischen Regisseurs Philipp M. Krenn. Er verortet das Stück, ganz im Sinne Brittens, an der Schmerzgrenze zum Unerträglichen. Krenns Inszenierung zeigt den Titelhelden...
