Vollblut

Strauss: Elektra
Kassel | Staatstheater

Nanu, was ist denn das? Den Besucher grüßt beim Betreten des Parketts ein sommerlich-heiterer Bühnenprospekt mit fröhlichen, Luftballons schwenkenden Kids auf der grünen Wiese. Wie ein Foto vom letzten Kindergeburtstag. Davor hocken Kinderdarsteller am Boden; wie sich dann herausstellt, sind es die Atridengeschwister Elektra, Chrysothemis, Orest und Iphigenie in frühem Alter. Nein, man ist doch nicht im falschen Film.

Mit einem klugen Einstieg macht der Szenograf Markus Dietz deutlich, dass die Handlung der «Elektra» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in kindlicher Traumatisierung wurzelt.

Wenn dann die musikalische Tragödie anhebt, mit dem zerschmetternden Tutti des Agamemnon-Motivs, wird es schnell blutig. Die Kinder besudeln nun die weiß segmentierte Bühnenwand mit Blut aus Eimern, auch von oben rinnt es reichlich rot. Die weiße Wand voller Blut, zunächst hart an der Rampe, dann manchmal zurückgefahren, bleibt das bestimmende Bühnenelement. Sie wird nach und nach ein- und aufgerissen, so dass Zugangslöcher und Fensterhöhlungen entstehen. Die Suggestion eines Palastes verschmilzt mit der einer Höllenszenerie, zumal, wenn der oft schwarze Hintergrund in grelles Rot ...

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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Hans-Klaus Jungheinrich

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