Wie im Flug
La femme plus fatale – nur mit einem solchen Superlativ kann man das packende Lulu-Porträt beschreiben, das Marlis Petersen in einer Neuproduktion an der Chicago Lyric Opera zeichnete. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu Petersens Lulu kommen einem die singenden Sirenen von Carmen bis Salome nur mehr wie harmlose Sexkätzchen vor. Als sei ihr Bergs von Mannsbildern umstellte Traumfrau auf den Leib geschrieben: Schon in Wien, Hamburg, Athen, Düsseldorf, Kassel und Nürnberg hatte sie in der Partie Triumphe gefeiert.
Und doch liegt es nicht ausschließlich an der deutschen Sopranistin, wenn die neue «Lulu» in Chicago ein so exzellentes und aufregendes Niveau erreicht, dass man versucht ist, bis zum Norma-Auftritt Maria Callas’ im Jahr 1954 zurückzugehen, um in der Geschichte der Lyric Opera ein Ereignis von ähnlicher Intensität zu finden.
Die Besetzung lässt keine Wünsche offen, Bühnenbild und Kostüme sind brillant gearbeitet, und das Orchester spielt unter der Leitung von Andrew Davis einfach himmlisch. Großen Anteil an diesem Erfolg hat auch Paul Curran, der sich immer mehr als einer der interessantesten Regisseure im internationalen Opernbetrieb erweist. Der Schotte kennt ...
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Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...
Frau Damrau, für Ihr letztes Rollendebüt, Donizettis Lucia an der Met, haben Sie bei Nervenärzten über den Wahnsinn recherchiert. Bei wem haben Sie sich für Ihre Sophie erkundigt?
Zum Glück muss man für Sophie keine großen Forschungen anstellen. Das ist einfach ein kleines Mädchen aus neureicher Familie, das aus dem Kloster kommt und gegen seinen Willen verheiratet...
Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das...
