Italienische Reise
«Nun haben Dilettanten aus Florenz / Aus heidnischen antiken Schriften / Sich Theorien künstlich ausgedacht. / Nach denen wird fortan Musik gemacht», lässt Hans Pfitzner den Protagonisten seiner Oper «Palestrina» singen, nachdem dessen Schüler Silla sich als Anhänger des «Stile nuovo» deklarierte.
Er thematisierte damit den Umbruch von kunstvoll kontrapunktischer Vokalpolyphonie (als Abbild einer hierarchisch geordneten Welt) zur affektiven Darstellung individueller Empfindungen und seelisch bewegter Leidenschaften.
Es war eine der größten Zäsuren in der abendländischen Musikgeschichte.
Die «Dilettanten aus Florenz», die mit dieser Revolution den Geist der Antike neu beschwören wollten, waren Komponisten, Dichter und Musikgelehrte, die sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts im Hause des Florentiner Edelmannes und Antikenspezialisten Giovanni Bardi als Humanistenakademie platonischer Richtung sammelten. Dilettantentum wurde ihnen vorgeworfen, weil sie meist adeliger Herkunft waren und die Musik weder als Broterwerb noch in geistlichem Rahmen auszuüben hatten. Ihnen – vor allem Giulio Caccini (1551-1618) – widmet der amerikanische coloratura-basso profondo Joel Frederiksen sein Album «O ...
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