Wie ein zuvor nie dagewesener Ton
Was für ein poetisches Bild. Eine Frau sitzt versonnen an einer Orgel, die Rechte sanft auf die Tasten gelegt, sie scheint darüber nachzudenken, wie der Ton, den sie gleich anschlägt, klingen möge, was er auslösen, bewirken könnte in all seiner Flüchtigkeit, Resonanz und (möglichen) Kontingenz. Oder ob nicht vielleicht nicht dieser einzige Ton imstande wäre, die Welt für eine Sekunde zu ver-rücken, frei nach dem Vorbild von John Cages Halberstädter Projekt. Seine Faszination gewinnt dieses Bild aber auch daraus, dass es nicht irgendeine Frau ist, die dort sitzt.
Es ist Elfriede Jelinek, die große Worterfinderin und erfolgreiche Streiterin für ein entsubjektiviertes Sprechen.
Ihre Theaterstücke (besser: Gedanken-Steinbrüche) gleichen Partituren, die sich erst während der Aufführung in (klingende) Materie verwandeln; sie verkörpern «die ästhetische Idee eines zusammenhängenden Ganzen einer unnennbaren Gedankenfülle» (Kant) und sind als solche selbst schon Musik. So überrascht es auch nicht, dass der Band «TEXT.NOTATION.PERFORMANCE», der die Ergebnisse eines vom «Interuniversitären Forschungsverbund Elfriede Jelinek» der Universität Wien durchgeführten Projekts präsentiert, sich zwar ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese...
JUBILARE
Jane Henschel absolvierte ihr Gesangsstudium an der University of Southern California. Erste Opernengagements führten sie 1978 nach Deutschland, sie trat in Aachen, Wuppertal, Dortmund und an der Deutschen Oper am Rhein auf. Zahlreiche Gastspiele machten die Mezzosopranistin ab Ende der 1980er-Jahre in der ganzen Welt bekannt, umjubelt etwa als Amneris,...
Es sind mehr als feine Unterschiede: «Il tabarro» spielt in der Gegenwart, «Suor Angelica» im 17., «Gianni Schicchi» im 13. Jahrhundert. Inhaltlich verbindet Puccinis drei Einakter wenig, auch der Begriff «trittico« stammt nicht vom Komponisten, sondern mutmaßlich von seinem Verleger Ricordi. Regisseur Roland Schwab findet in Essen dennoch Verbindendes, zumal den...
