Wen interessiert schon Kultur?
Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen «Reichweite» spricht dabei zweifellos für den Sport. Im Vergleich zu einer Fußballeuropameisterschaft ist (Musik-)Theater ein Randphänomen.
Fragen nach kulturellen «Werten», nach mehr oder weniger elitären Vorlieben sollen hier gar nicht erst gestellt werden. Doch sehr wohl die nach dem Infektionsrisiko (wobei Überlegungen zum Sinn und Unsinn des real existierenden Pandemie-Managements wiederum ausgeklammert seien).
Die Schutzkonzepte von Opernhäusern haben sich bewährt, von Infektionstreibern ist nichts bekannt. Die nur auf dem Papier existierenden Schutzkonzepte der UEFA haben sich ebenfalls bewährt – als offensichtliche Infektionstreiber, wie bei den Spielen in Sankt Petersburg und London eindrücklich zu besichtigen. Warum aber darf die UEFA inzwischen sogar einer Mobilität frönen, die dem gesunden Menschenverstand ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Anselm Gerhard (Bern)
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...
Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.
Andererseits war ja auch nicht «nichts» in diesen verseuchten Monaten! Im Gegenteil: Man streamte und war plötzlich...
Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist...
