Wen interessiert schon Kultur?
Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen «Reichweite» spricht dabei zweifellos für den Sport. Im Vergleich zu einer Fußballeuropameisterschaft ist (Musik-)Theater ein Randphänomen.
Fragen nach kulturellen «Werten», nach mehr oder weniger elitären Vorlieben sollen hier gar nicht erst gestellt werden. Doch sehr wohl die nach dem Infektionsrisiko (wobei Überlegungen zum Sinn und Unsinn des real existierenden Pandemie-Managements wiederum ausgeklammert seien).
Die Schutzkonzepte von Opernhäusern haben sich bewährt, von Infektionstreibern ist nichts bekannt. Die nur auf dem Papier existierenden Schutzkonzepte der UEFA haben sich ebenfalls bewährt – als offensichtliche Infektionstreiber, wie bei den Spielen in Sankt Petersburg und London eindrücklich zu besichtigen. Warum aber darf die UEFA inzwischen sogar einer Mobilität frönen, die dem gesunden Menschenverstand ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Anselm Gerhard (Bern)
Ja, manchmal bringt es mich schon um den Schlaf, wenn ich nachts über die Situation der Kunstform Oper nachdenke. Hat die Pandemie problematische Entwicklungen noch zugespitzt? Was hat die Saison 2020/21 gebracht? In Erinnerung bleibt das wilde Glücksgefühl, als nach erstem Lockdown der Vorhang tatsächlich hochging und Musiktheater wieder live zu erleben war....
Türen auf, Türen zu. Optimismus zu Saisonbeginn. Bei den Salzburger Festspielen wird erstmals erfolgreich das Schachbrettmodell erprobt. Die Stuttgarter Staatsoper zeigt im September die Übernahme von Barrie Koskys lustiger, reisefreudiger «Zauberflöte» aus Berlin, und der Doppelabend «Cavalleria rusticana»/«Luci mie traditrici» hat im Oktober Premiere – beides...
Taugt die Krise als Pflicht und Chance, es alsbald anders zu machen? Drei Beispiele des Gelingens in einer nur scheinbar gescheiterten Spielzeit: Mit Händels «Tolomeo» transzendiert Regisseur Anthony Pilavachi das Artifizielle barocker Operngestik und das derzeitige Distanzgebot am Theater Lübeck, zu Saisonbeginn noch mit echtem Publikum im Saal, zu berührendem...
