Weitgehend unerlöst
Das Barock glänzte im vergangenen Jahrzehnt am Mannheimer Nationaltheater durch Abwesenheit. So ist es durchaus als programmatischer Aufbruch zu begrüßen, wenn Albrecht Puhlmann gleich als zweite Premiere seiner Intendanz ein Werk Händels auf den Spielplan setzte. Allerdings ist «Hercules» keine Oper, sondern ein «musikalisches Drama» – so die explizite Gattungsbezeichnung –, das die Dramaturgie des neuen, englischsprachigen Oratoriums auf einen Stoff der antiken Tragödie überträgt.
Im Zentrum der Handlung, die Sophokles’ Tragödie geradezu auf den Kopf stellt, steht aber nicht der Halbgott Herkules, sondern seine Gattin Dejanira, die – wie Shakespeares Othello – in grundlos zwanghafter Eifersucht die Katastrophe herbeiführt. Als sie sieht, was sie angerichtet hat, verfällt sie dem Wahnsinn. Händels Musik mit ihren düsteren Farben leuchtet in fast klinischem Realismus die seelischen Abgründe der Hysterikerin aus. Dejaniras (auch formal) zerrissene Wahnsinnsszene, mit der sie auf den Tod ihres Liebsten reagiert, gehört zu den erschütterndsten Eingebungen Händels; der emotionale «Jealousy»-Aufschrei des Chors steht dem kaum nach. Selbst das apotheotische Happy-End der ...
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Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...
Normalerweise schreibe ich diese Kolumne erst, wenn ich mich beruhigt habe. Und weil ich, wenn auch kein sonniges, so doch ein recht ausgeglichenes Gemüt habe, fällt mir das meist nicht weiter schwer. Aber diesmal bin ich stinksauer. Auf Englisch geht das so: Man legt die Stirn in schwache Falten, wiegt den Kopf und gibt alle paar Stunden ein leises Zisch-...
Er war gerade 28 Jahre jung, als er mit New Yorks Philharmonikern einen echten Coup landete: Bei einer Aufführung von György Ligetis «Le Grand Macabre» stand er als Fürst Go-Go auf der Bühne, neben Stars wie Barbara Hannigan (Gepopo) und Eric Owens (Nekrotzar), und machte mächtig Eindruck. 2010 war das. «Selten hatte ich so viel Spaß wie mit der brillanten...
