Luftballons und Zipfelmützen
«Wie war zu Cölln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul, man legte sich hin auf die Bank und pflegte sich.» So eröffnete August Kopisch sein bekanntestes Werk, das Gedicht «Die Heinzelmännchen zu Köln». Dabei hatte Kopisch wirklich Interessanteres vorzuweisen: Landschaftsgemälde etwa von seinem mehrjährigen Aufenthalt in Neapel, ein interaktives Panorama, das er mit dem Architekten Carl Ferdinand Langhans entwickelt hatte, Erzählungen oder die Übersetzung von Dantes «Göttlicher Komödie».
An all das erinnert sich heute niemand mehr – wohl aber an die «Heinzelmännchen». Der Erfolg ist leicht zu deuten: Im Gedicht von den faulen Kölner Bürgern, die aus ihrem Traum vom Schlaraffenland rüde erwachen, blickte der preußische Hofbeamte Kopisch mokant auf das notorische Laissez-faire in der Rheinprovinz, das bis heute seine Attraktion nicht verloren hat.
Ob das jüngste Desaster um die gestoppte Sanierung der Kölner Oper auf rheinische Faulheit oder vorsätzliche Sabotage zurückzuführen ist, müssen die Juristen klären. Manche Institutionen trifft die Verschiebung der Wiedereröffnung des Hauses am Offenbachplatz besonders hart – vor allem die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
CHAYA CZERNOWIN
Was heißt Komponieren für Stimme? Diese Frage hat Chaya Czernowin schon in ihrem ersten Bühnenwerk «Pnima» (2000) beschäftigt. Sie steht auch im Zentrum ihrer neuen Oper «Infinite now» (Uraufführung: April 2017, Vlaanderen Opera). Ein Gespräch
ZEITGEISTOPER?
Knüpfen sie an die Tradition der «Zeitoper» des jungen Weill, Krenek oder Hindemith...
Aus dem Nichts sollte es kommen, das langsame A-Dur-Vorspiel. Gleichsam aus vorzeitlicher Stille. Was die geteilten Streicher in den ersten «Lohengrin»-Takten zu spielen haben, scheint nicht von dieser Welt. Ein irisierendes Klanggespinst entsteht da, ein flirrendes Leuchten, magisch, mysteriös, von unwirklicher Schönheit. Musik, die auf Verführung zielt, uns...
Der Tod trägt zwei Kreuze. Wie bei Mimì. Jetzt verabschiedet sich auch Cio-Cio-San, ihre Schwester im Geiste, in h-Moll aus dem Diesseits – würdevoll, wie es die Tradition verlangt. Ihr Suizid bedeutet den Umschlag des Tragischen ins Erhabene, den Triumph des individuellen Willens. Wie hat es Kirilow, Dostojewskys Held, postuliert: Im Freitod liegt die einzige...
