Mut zur Lücke
Synergien, modifizierte Neuauflagen, neue Zugänge – der Buchmarkt ist um einige Musiklexika reicher geworden. Dass die Pressemitteilungen dazu manchmal vollmundiger daherkommen als das, was der Leser tatsächlich vorfindet, liegt in der Natur des Geschäfts. So soll das von Arnold Jacobshagen und Elisabeth Schmierer herausgegebene «Sachlexikon des Musiktheaters» laut Ankündigung erstmals und umfassend Theorie und Praxis, Gattungen und Schauplätze des Musiktheaters in Geschichte und Gegenwart erschließen.
Auf knapp 670 Seiten zielen die Herausgeber auf die Quadratur des Kreises: Historie, Technik, Zahlen, Ästhetik ziehen in rund 700 Artikeln vorüber. Knapp 40 Autoren haben mitgewirkt, darunter Musik- und Theaterwissenschaftler, Kritiker, Bühnentechniker und Kulturmanager. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Werk jedoch als Teil-Neuheit. Nicht wenige Einträge wurden bereits in dem 2002 erschienenen «Lexikon der Oper» und im «Handbuch Praxis Musiktheater» veröffentlicht. Mit anderen Worten: Man konnte auf den Bestand des Laaber Verlags zurückgreifen. Allerdings sind die älteren Beiträge bearbeitet und, mit Blick auf die Literaturangaben am Ende der Texte, ...
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Aus dem Nichts sollte es kommen, das langsame A-Dur-Vorspiel. Gleichsam aus vorzeitlicher Stille. Was die geteilten Streicher in den ersten «Lohengrin»-Takten zu spielen haben, scheint nicht von dieser Welt. Ein irisierendes Klanggespinst entsteht da, ein flirrendes Leuchten, magisch, mysteriös, von unwirklicher Schönheit. Musik, die auf Verführung zielt, uns...
Von Giovanni Paisiellos fast einhundert Opern hat nur die Buffa «Il barbiere di Siviglia» auf einem Nischenplatz überlebt. Catania hat im Januar 2016 die späte, 1788 für Neapel geschriebene Seria «Fedra» ausgegraben. Ein Mitschnitt ist bei dem auf Raritäten spezialisierten italienischen Label Dynamic erschienen. Es handelt sich aber keinesfalls, wie das...
Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die...
