Funkstille
Tschaikowsky selbst vergoss nach eigenem Bekenntnis Tränen, als er Puschkins unglücklich liebende Spielernatur Hermann in den sicheren Untergang begleitete, und seine Erschütterung spiegelt sich in der Musik, die sich durchgehend in einem Bereich zwischen Herzflimmern und Herzrasen bewegt. Da kündigt sich schon der Komponist der «Pathétique» an. Im Ulmer Theater wollte man dem Publikum so kurz vor Weihnachten solche Kost nicht zumuten und präsentierte dieses aufwühlende Seelendrama stattdessen als ein gesungenes Gegenstück zum «Nussknacker»-Ballett.
Zunächst ist der Zuschauer beeindruckt, wie sich das relativ arme Theater hier gleichsam ins Festtagsgewand wirft. Er muss bewundern, wie die Bühnenbildnerin Britta Lammers mit geringen Mitteln und mit Unterstützung der Lichtregie (Marcus Denk) Atmosphäre zaubert: Standuhren, mobile Spiegelschränke, Kronleuchter beschwören im nicht abgeschlossenen Bühnenraum ein märchenhaft verklärtes historisches Ambiente herauf. Die Kostüme von Angela C. Schuett tun ein Übriges, beim Betrachter nostalgische Gefühle aufkommen zu lassen. Schöne heile Opernwelt.
Regisseur Igor Folwill denkt nicht daran, diese Idylle zu zerstören. Seine ...
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Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die...
Aus dem Nichts sollte es kommen, das langsame A-Dur-Vorspiel. Gleichsam aus vorzeitlicher Stille. Was die geteilten Streicher in den ersten «Lohengrin»-Takten zu spielen haben, scheint nicht von dieser Welt. Ein irisierendes Klanggespinst entsteht da, ein flirrendes Leuchten, magisch, mysteriös, von unwirklicher Schönheit. Musik, die auf Verführung zielt, uns...
Es muss nicht an einer germano-zentrischen Haltung liegen, gepaart vielleicht mit gewisser Überheblichkeit. Dass das Liedschaffen französischer Komponisten hierzulande kaum eine Rolle spielt, hat vor allem mit der Sprache zu tun. Mit dem Erfühlen und Erfüllen von Nuancen, mit dem (auch hörenden) Bewusstsein für die Delikatesse von Färbungen, Lautformungen und...
