Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Trüb sieht er aus, der Mond über Alabama. So gar nicht mehr hoffnungsfroh wie noch zu Beginn, als die drei aus der Haft entwichenen Strafgefangenen in diese Ödnis kamen. Nun herrscht Finsternis in den Seelen derer von Mahagonny, und vor allem für einen von ihnen sieht es richtig düster aus: Auf dem elektrischen Stuhl schwebt über der geifernden Masse Beinahe-Mörder, Beinahe-Dieb, Beinahe-Deflorierer und Zechpreller Jim Mahoney.
Nicht unbedingt zum Heulen, aber leider dazu angetan, in Tristesse zu verfallen, ist diese Premiere zum Auftakt des Kurt-Weill-Festes, Ausgabe 2006.
Zugegeben, das vorliegende Stück, die Oper «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» von Weill mit dem Brecht’schen Text, gehört für jeden Regisseur nach wie vor zum Unbequemsten, Sperrigsten, was die Gattung zu bieten hat. Doch die Art und Weise, wie Helmut Polixa das Werk in die Revue-Ecke verbringt und es dort mit lauter Einfällen zuschüttet, gibt doch zu denken. Und nicht nur das: Die Substanz des Kunstwerks selbst ist in Gefahr, im Dreieck aus Kitsch, Klischee und Klamotte zu versinken – was betrüblich ist, liegt doch die hochpolitische Botschaft der Oper offenkundig auf der Hand; man muss dazu nicht einmal ...
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Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Jacobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...
Herr Dresen, uns war bislang gar nicht bekannt, dass Sie sich für Oper interessieren...
Mir war das offen gestanden auch nicht bewusst. Bis eines Tages Michael Schindhelm, der Direktor des Theaters Basel, bei mir anrief und fragte, ob ich nicht Lust habe, mal eine Oper zu inszenieren. Das war vor sechs Jahren, er hatte meinen Film «Nachtgestalten» gesehen....
Er hat das moderne Regietheater praktiziert, als es den Begriff noch gar nicht gab. 1961 inszenierte Bohumil Herlischka in Düsseldorf einen «Freischütz», der auf empörte Ablehnung stieß und ihm trotz vorangegangener spektakulärer Erfolge wie mit der Ausgrabung von Schostakowitschs Urfassung der «Lady Macbeth von Mzensk» (1959) fast ein Arbeitsverbot einbrachte....
