Weder Spielwiese noch Museum
Dass die Ansprüche des heutigen Publikums an die Oper als Kunstform höchst divergent zwischen Belcanto-Kulinarik und theatraler Wahrhaftigkeit changieren, ist bekannt. Bei Aufführungen von Barockopern allerdings ist diese Divergenz noch stärker ausgeprägt. Freunde des Regietheaters erwarten von Händel- oder Monteverdi-Vorstellungen ein Feuerwerk origineller Regieeinfälle – Liebhaber von alter Musik oder barockem Tanz dagegen erwarten historische Authentizität. Darin wiederum wittern viele Regisseure willkürlich festgelegte «Werktreue».
Doch konstruieren sie nicht selbst die Einheit des Werks ziemlich willkürlich, wenn sie in modernen Inszenierungen aus dem Gesamtorganismus des barocken Theaters lediglich die Musik und den Text herausbrechen und die Szene als Spielwiese benutzen?
Es geht auch anders, ohne dass man gleich die Oper zum Museum macht. Gerade im letzten Jahrzehnt ist das historische Wissen nicht nur um Originalinstrumente, Phrasierung und Verzierung, sondern auch um das Regelwerk und die Anwendung barocker Gestik noch einmal gewachsen. Dieses Wissen nimmt nicht die künstlerische Freiheit - es garantiert sie. Dies war wohl die weitreichendste Erkenntnis bei der ...
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