Raummusik
Kürzlich wurde gemeldet, Londons Royal Opera House Covent Garden habe das DVD-Label Opus Arte gekauft. Von einem einstelligen Millionenbetrag in Pfund war die Rede. Zwar kann man sich vom Festival in Glyndebourne schon seit Jahren die Produktionen auf Video oder DVD mit nach Hause nehmen. Trotzdem ist es das erste Mal, dass ein Repertoirehaus derart in die Offensive medialer Selbstvermarktung geht.
Was bei mehr und mehr großen Orchestern längst üblich ist, dass jedes Konzert auf CD oder zum Downloaden am PC verfügbar gemacht wird (und zwar oft sofort nach dem Applaus), das scheint sich in der Oper via DVD anzubahnen, auch wenn die Herstellungswege dabei naturgemäß komplizierter sind. Vorbei sein könnten also bald die Zeiten, in denen solche Dokumentationen von Lust, Laune und Geldsegen koproduzierender Fernsehchefs (oder Majorlabels) abhingen. Vorbei wären dann auch die Zeiten nicht wieder gut zu machender Unterlassungssünden: Weder Peter Konwitschnys Hamburger «Lohengrin» noch die Stuttgarter «Norma» von Jossi Wieler und Sergio Morabito, zweifellos zentrale Produktionen der letzten zehn Jahre, sind aufgenommen worden. Und vorbei wären dann schließlich auch die Zeiten künstlerisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» lässt sich der Titelheld in seiner Jugend von einem berühmten Maler porträtieren, um wenigstens auf dem Bild etwas von seiner Schönheit zu bewahren. Vorsorglich verhängt er das Gemälde, um nicht jeden Tag die wachsende Differenz zwischen Abbild und persönlicher Realität feststellen zu müssen. Bekanntlich geht die...
An couleur locale wird in diesem «Cardillac» nicht gespart: Kaum eine Gelegenheit lässt die Produktion der Bastille-Oper aus, um daran zu erinnern, dass Paul Hindemiths 1926 uraufgeführte Krimi-Oper nach Hoffmanns «Fräulein von Scuderi» in Paris spielt. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf den Eiffelturm, und die Ergreifung des mörderischen Goldschmieds im...
Mehr als vierzig Opern hat Francesco Cavalli zwischen 1639 und 1673 geschrieben. Er zählte zu den meistaufgeführten Komponisten seiner Zeit. Mit dem Aufkommen der Gesangsoper und des Kultes um die Virtuosenarie verblasste Cavallis Ruhm. Seine noch am Deklamationsstil Monteverdis orientierten Bühnenwerke gerieten gründlich in Vergessenheit – für drei Jahrhunderte....
