Raummusik
Kürzlich wurde gemeldet, Londons Royal Opera House Covent Garden habe das DVD-Label Opus Arte gekauft. Von einem einstelligen Millionenbetrag in Pfund war die Rede. Zwar kann man sich vom Festival in Glyndebourne schon seit Jahren die Produktionen auf Video oder DVD mit nach Hause nehmen. Trotzdem ist es das erste Mal, dass ein Repertoirehaus derart in die Offensive medialer Selbstvermarktung geht.
Was bei mehr und mehr großen Orchestern längst üblich ist, dass jedes Konzert auf CD oder zum Downloaden am PC verfügbar gemacht wird (und zwar oft sofort nach dem Applaus), das scheint sich in der Oper via DVD anzubahnen, auch wenn die Herstellungswege dabei naturgemäß komplizierter sind. Vorbei sein könnten also bald die Zeiten, in denen solche Dokumentationen von Lust, Laune und Geldsegen koproduzierender Fernsehchefs (oder Majorlabels) abhingen. Vorbei wären dann auch die Zeiten nicht wieder gut zu machender Unterlassungssünden: Weder Peter Konwitschnys Hamburger «Lohengrin» noch die Stuttgarter «Norma» von Jossi Wieler und Sergio Morabito, zweifellos zentrale Produktionen der letzten zehn Jahre, sind aufgenommen worden. Und vorbei wären dann schließlich auch die Zeiten künstlerisch ...
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Über dem Jugendstilportal des Gießener Stadttheaters ist bis heute in Goldbuchstaben festgehalten, wofür die Bauherren ihr Geld ausgaben: «Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns». Hundert Jahre ist das Haus alt und inmitten der im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombten Stadt ein architektonisches Solitär. Die Oper, die Intendantin Catherine Miville zum Jubiläum...
«Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit» – das sagte Nikolaus Lenau (1802-1850), um sich gegen das scheinbare «Faust»-Monopol Goethes zu wenden. So verfasste Lenau 1835 seinen eigenen «Faust», zwar in Knittelversen, aber in Handlungsverlauf und Sicht auf die Faust-Figur entscheidend von Goethe abweichend. Lenaus Faust trägt nihilistische Züge, sein Weltbild...
Tornerà d’auro il secolo?» – Wird das Goldene Zeitalter wiederkehren?, fragt der Chor im jubeltrunkenen Finalstück jener legendären sechs «Florentiner Intermedien», die 1589 für eine pompöse Aufführung der Komödie «La pellegrina» am Hof der Medici entstanden. Vor 418 Jahren war das natürlich nur eine rhetorische Frage: Dass die Vermählung des Großherzogs Ferdinando...
