Reimann: Melusine
Aribert Reimann ist in Nürnberg kein Unbekannter: 1982 wurde hier mit Erfolg der «Lear» realisiert. Wenn nun «Melusine» herauskommt, so hat das sicherlich auch damit zu tun, dass es derzeit am Staatstheater ein Ensemblemitglied gibt, das alle Voraussetzungen für die Titelpartie mitbringt. Marlene Mild hat sich ein ganzes Jahr Zeit genommen, um die mit Schwierigkeiten und Koloraturen nur so gespickte Partie einzustudieren. Die Sopranistin bewältigt alle Klippen der Partie geradezu spielerisch leicht.
Und sie schafft es außerdem, der Figur eine ganz eigene stimmliche Kontur zu geben und ihr in vielfältigen Ausdrucksfacetten gerecht zu werden.
Dass Marlene Mild auch darstellerisch überzeugt, ist ein Glücksfall für die Neuinszenierung von Helen Malkowsky, die eindringlicher kaum gelingen konnte. Der konzeptuelle Ansatz ist gewagt: Anstelle eines romantischen Zauberwesens à la Undine oder Rusalka, das sich gegen die Naturverwüstung stellt, erzählt die Nürnberger Erstaufführung die Geschichte eines fortgesetzten Kindesmissbrauchs. Wer in den Übertiteln mitliest, erlebt verblüfft, dass diese Deutung dem Text genau folgt. Melusine ist diesmal jenes Lulu-hafte Wesen, von dem explizit auch ...
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