Was die Maus erzählt
Auf Deutsch heißt Boris Vians Roman jetzt «Die Gischt der Tage», nicht mehr «Schaum». Dafür mag es Gründe geben. Auf der Rückseite der Neuübersetzung liest man das Statement «Vian altert nicht». Das ist eine Setzung für den 1947 zunächst ohne größere Resonanz erschie -nenen Roman, der dann in den wilden späten 1960er- und 1970er-Jahren zum «Kultbuch» avancierte.
Die Geschichte einer bedingungslos verrückten Liebe zwischen dem jungen reichen Pariser Colin und der zarten Chloé, die sterben muss, weil eine Blume des Bösen – Seerose, Lotos, wer weiß – in ihrer Lunge wuchert. Bei Vian spielt die romantische Realität lustvoll ins Surreale, Aale kommen durch die Wasserleitung und werden von Colins genialischem Koch zu Pastete verarbeitet, Wände verschieben sich unter dem Einfluss von Stimmungen und Musik, am besten der Platten von Duke Ellington, Gewehrläufe wachsen aus Erde und menschlicher Wärme …
Colins bester Freund Chick gibt all sein Geld für die Bücher des fetischhaft bewunderten Philosophen «Jean-Sol Partre» aus, man geht Eislaufen, feiert Hundegeburtstag und dann Hochzeit mit Jesus als Ehrengast. Soweit so unbeschwert heiter. Bis die böse Blume kommt und alles Glück und bald ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Holger Noltze
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche...
Blutjung
Ein genialer Kopf, dem nur wenig Lebenszeit vergönnt war: der Dirigent und Komponist Peter Ronnefeld. 1965 starb er mit 30 Jahren, gerade Generalmusikdirektor in Kiel, ein Mann für kommende, große Aufgaben. Die Oper Bonn, wo er 1961 Chefdirigent wurde, macht sich nun um den vom Vergessen bedrohten Künstler verdient und setzt sein Bühnenwerk «Die Ameise»...
Anderthalb Jahre zuvor war Marco Štorman noch kurz vor der Premiere aus Freiburg abgereist: «Game on: Zauberflöte», Mozart als Wünsch-dir-was-Oper, wurde zu einem künstlerischen Desaster. Eine Wiedergutmachung also war der Regisseur dem Theater, dem Publikum und wohl auch sich selbst schuldig. Mit John Adams’ Oppenheimer-Oper «Doctor Atomic» begibt sich der...
