Jungs und ihr Spielzeug
Anderthalb Jahre zuvor war Marco Štorman noch kurz vor der Premiere aus Freiburg abgereist: «Game on: Zauberflöte», Mozart als Wünsch-dir-was-Oper, wurde zu einem künstlerischen Desaster. Eine Wiedergutmachung also war der Regisseur dem Theater, dem Publikum und wohl auch sich selbst schuldig. Mit John Adams’ Oppenheimer-Oper «Doctor Atomic» begibt sich der gebürtige Hamburger auf ein Terrain, das er 2019 mit großem Erfolg an der Stuttgarter Staatsoper beackert hatte. Damals galt es mit Adams’ «Nixon in China» einem politisch hochbrisanten Clash of Cultures.
Heute, im Zeichen eines immer aggressiveren politischen Weltklimas rückt Štorman die Schöpfungsgeschichte der Atombombe neu ins Licht – ein vornehmlich satirisches Licht.
Štormans Oppenheimer macht ein Barbecue, wie alle anderen auch in diesem Sommer 1945 in New Mexico. Überaus frei nach Schiller: Der Mann ist nur dort Mann, wo er grillt. Wie groß ist der Unterschied zwischen der Strahlungswärme einer Atombombe vom Typ «Trinity» und der idealen Gartemperatur eines saftigen Steaks? Ohne Zynismus lässt sich der durch die Wissenschaft forcierte Selbstzerstörungstrieb des Menschen kaum ertragen. Štormans Oppenheimer lebt die ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Alexander Dick
Ein großartiges Ensemble, eine pfiffige Inszenierung, schrille Kostüme, eine knallbunte Ausstattung – aber leider ein recht schwachbrüstiges Stück. Allerdings weitaus besser als das, was rund 100 Demonstranten zur gleichen Zeit vor dem Magdeburger Opernhaus aufführen. Man protestierte dort, wie den gedruckten Spruchbändern zu entnehmen war, gegen ein noch nicht...
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung...
Alice fällt. In der langen Eröffnungsszene wird vom Schnürboden eine Artistin als ihr Double herabgelassen, die in Zeitlupe mal kopfüber, mal kopfunter mit Armen und Beinen Halt und sich der Schwerkraft zu widersetzen sucht. Vergeblich. Dazu entwickelt sich im Graben, aus unheimlich tiefen Schlagzeugklängen, bald eines jener quecksilbrigen, glitzernden Klangbilder,...
