Groteske mit Handbremse
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche Raubtiere in feinem bis schrägem Zwirn sehen wir, aber weder Schnurrhaare noch Fell. Hans Werner Henzes «Die englische Katze» wird hier alles Tierische ausgetrieben. Der Mehrwert: eher begrenzt.
Auf Samtpfoten schleicht sich die Bayerische Staatsoper mit dieser Premiere in die Saison. Im Nationaltheater musste während der verlängerten Sommerpause einiges renoviert werden, damit das Haus bis in die 2030er-Jahre durchhält – dann wird für eine Großsanierung alles für mehrere Jahre geschlossen. Das Ensemble nutzte den Sommer für eine Asien-Tournee. Fürs Eröffnungskonzert der Spielzeit wich man in eine Sporthalle aus, für die erste Neuinszenierung ins kleine Cuvilliéstheater.
Bei Henze durfte das Opernstudio in den Rokoko-Ring. Und der Nachwuchs machte seine Sache ausgesprochen gut. Die Besetzungsliste ist bei der «Englischen ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Frau Kampe, was macht man eigentlich als Brünnhilde zwischen den Vorstellungen und «Ring»-Zyklen?
Ausruhen! Manchmal gehe ich auch zur Massage, damit sich der Körper ein bisschen entspannt. Ansonsten spazieren gehen, Dinge tun, die nicht allzu anstrengend sind. Aber sich völlig gehen zu lassen, ist auch nicht gut. Man muss den Motor schon am Laufen halten.
Ist es...
Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
