And the Band Played On
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison 2020/21 ist weithin geprägt von mangelnder Flexibilität, Ideenlosigkeit und Beharren in Produktionsabläufen.
Tief sitzt die Kränkung: Die Oper mag systembedingt das personal- und kostenintensivste Flaggschiff des Bühnenwesens sein – systemrelevant ist sie offenbar nicht. Sich trotz Lockdowns bemerkbar zu machen, wurde zur Aufgabe der Saison. Und sei es mit Wunschkonzerten am Telefon, im Internet, wann immer möglich unter freiem Himmel – oder mit ganz anderen mutigen Initiativen zur Öffentlichkeitsarbeit.
Nur wenige Theater haben sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Leitungspersönlichkeiten gaben den Weg vor, nicht immer den richtigen: Wo im Frühjahr 2020 noch bis zur letztmöglichen Minute geprobt wurde, über Ängste von Mitarbeitenden hinweg, ist lange über das Abgeben beleidigter Statements hinaus wenig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Claus Ambrosius («Rhein-Zeitung», Koblenz)
Abgesehen von der merkwürdigen Art und Weise, wie sich die Saison 2020/2021 entfaltet hat, ist zunächst zu bemerken, dass im Gegensatz zur vorherigen Saison praktisch alle Institutionen, große wie kleine, vorbereitet waren, um auf die Unwägbarkeiten von Covid zu reagieren, indem sie Alternativen anboten: in Streaming oder in Theatern; mit sehr reduzierter Kapazität...
Türen auf, Türen zu. Optimismus zu Saisonbeginn. Bei den Salzburger Festspielen wird erstmals erfolgreich das Schachbrettmodell erprobt. Die Stuttgarter Staatsoper zeigt im September die Übernahme von Barrie Koskys lustiger, reisefreudiger «Zauberflöte» aus Berlin, und der Doppelabend «Cavalleria rusticana»/«Luci mie traditrici» hat im Oktober Premiere – beides...
Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles...
