Warten auf den Liebestraum

Bielefeld, Hosokawa: Hanjo

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Auf einem Plastiksitz im Bahnhof wartet sie und schaut in die vorbeiströmende Menge. Hanjo heißt eigentlich Hanako und war Geisha. Sie wartet auf den Mann, mit dem sie vor drei Jahren einen Fächer getauscht hat. Für die junge Frau, die tief verwurzelt ist in den traditionellen Verhaltensweisen Japans, bedeutete das die Verlobung. Nun starrt sie in die Gesichter vieler Männer und kann das eine nicht finden, nach dem sie sich sehnt. Vielleicht ist ihr die konkrete Erinnerung schon längst entglitten. Vielleicht wartet sie auch nicht mehr auf ihren Liebsten, sondern auf ihr Traumbild von ihm.


Ein modernes No-Spiel des japanischen Ästheten und Oscar-Wilde-Verehrers Yukio Mishima hat der Komponist Toshio Hosokawa für seine Oper «Hanjo» verwendet. Mishima war ein Grenzgänger zwischen der westlichen und der japanischen Kultur, mit 45 Jahren beging er Selbstmord durch Seppuku, ein lange geplanter, öffentlicher Akt. Der Regisseur Paul Schrader hat Mishima in einem Kinofilm ein Denkmal gesetzt, zu dem Philipp Glass den treibenden, energetischen ­Soundtrack im Minimal-Stil schrieb.
Der 1955 geborene Hosokawa nähert sich nun mit einem ruhigeren, melancholischeren Stil der Gedankenwelt Mishimas. ...

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Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Stefan Keim

Vergriffen
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