Wahnsinn und Wahrheit
Ist der Mann verrückt? Nein, ist er nicht. Er hat nur einen ausgeprägten Hang zum Abseitigen. Zudem ist er Brite, somit ausgestattet mit einem sehr speziellen Humor; einem Humor übrigens, von dem man sich in deutschen Neue-Musik-Kreisen durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Mit anderen Worten: Sucht man in der europäischen Szene einen Komponisten, der gegen das (unerträgliche) Gewicht des Seins ankomponiert, hat man ihn in Peter Maxwell Davies gefunden.
Einer Schule ist das, was Maxwell Davies zu Papier bringt, nicht zuzuordnen; darin gleicht er den meisten britischen Tonsetzern der Neuzeit. Unverkennbar aber ist sein Faible für Stimmen. Insbesondere für die Grenzlagen dieses Organs, für (expressiv-hintersinnige) Tiefe und (exaltiert-vordersinnige) Schrillheit respektive: göttliche Höhe.
Ein Beispiel für diese Ausreizung der Möglichkeiten ist die Kammeroper «Miss Donnithorne’s Maggot» von 1974, ein anderes das Monodram «The Medium» (1981). Beide Werke waren jetzt in Leipzig und Magdeburg zu hören, verknüpft mit jeweils anderen Kompositionen: im Sächsischen mit Monteverdis «Il combattimento di Tancredi e Clorinda» (was nicht unbedingt glücklich war), im Anhaltischen mit Aribert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hoffnung der Bregenzer Festspiele 1994, Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» zumindest im Randsektor des internationalen Repertoires einbürgern zu können, hat sich nicht bestätigt. Gerade zweimal ist das schwül-dekadente «Poem aus Blut und Wollust» seither im Register der «Opernwelt» aufgetaucht: 2004 in Macerata und 2006 in Passau. Und das wird sich wohl...
Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist,...
Der Skandal ist auch nicht mehr, was er einmal war. Als der in Ehren ergraute österreichische Bürgerschreck Hermann Nitsch – in Zusammenarbeit mit dem jungen Schweizer Schauspieler und Regisseur Andreas Zimmermann – im Zürcher Opernhaus Schumanns «Faust-Szenen» auf die Bühne brachte, mochte er nicht auf das Markenzeichen seines «Orgien Mysterien Theaters», die...
