Joseph und andere Brüder
Wann hat es ein neues, junges Opernfestival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Publikum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Publikum trotz eher niedriger Durchschnittseinkommen stolze Preise zahlt, weil es einerseits stolz auf das Erreichte ist und andererseits weiß, dass es für das Geld etwas geboten bekommt, das sich sehen und hören lassen kann.
In Riga kommt mittlerweile alles zusammen, und nicht nur deshalb darf das dortige Opera Festival in seinem zehnten Jahr erfolgreich (Zwischen-)Bilanz ziehen.
Dass die baltischen Staaten über ein Reservoir hochbegabter Sänger, Komponisten und Dirigenten verfügen, hat sich längst herumgesprochen. Lettlands neuer Opernstar Elina Garanca allerdings hat über Umwege in Bukarest, London oder Salzburg Karriere gemacht und wird erst in der kommenden Spielzeit in der Rigaer Oper auftreten: als Carmen. Ein anderer Musiker aber stieg an der Oper von Riga auf und befindet sich im internationalen Höhenflug: der junge, ungemein begabte Dirigent Andris ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dem Regisseur Dietrich Hilsdorf ist es gelungen, sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines ewig jungen Wilden zu bewahren. Opernwerke wirken auf ihn wie Festungsanlagen. Diese wollen beschossen und danach erstürmt sein. Was danach kommt, präsentiert sich unterschiedlich. Entweder wird die Festung wieder aufgebaut, oder sie wird geschliffen. Dann bleibt vom...
Die Substanz einer Oper ist das Sichtbare, nicht das Erzählbare», stellte der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus einmal kategorisch fest. Dem Opernliebhaber fallen freilich auf Anhieb etliche Szenen ein, in denen recht hemmungslos erzählt wird: Lohengrins Gralserzählung, Wotans großer Monolog im zweiten Akt der «Walküre», die Mägdeerzählung des Ochs auf Lerchenau...
Als Theodor W. Adorno 1967 bei einem Kongress in Graz öffentlich über Musikkritik nachdachte, hatte er leicht reden. Die Jahre, in denen er regelmäßig Musikkritiken geschrieben hatte, lagen lange zurück, und von den Bedürfnissen des Marktes hielt er sowieso nichts. Adorno sprach also Idealtypisches. Gerade deswegen hatte er mit (fast) jedem Satz Recht. Er betonte...
