Der Unbeirrbare

Erinnerungen an den Musikkritiker und «Opernwelt»-Autor Ulrich Schreiber (1936-2007)

Opernwelt - Logo

Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat ­Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als freundlich-gefällige Rezensionen, gerade, wenn es um Maschen, Moden und Manipulationen ging und um das mediale Build-up von Stars. Gelegentlich, in Momenten der Verärgerung, füllte er die Feder mit Vitriol.

In der Musikbranche war er gefürchtet. Doch war ihm die hä­mische Aggressivität, mit der heute billige Totschlagzeilen fabriziert werden, gänzlich fremd. Auch und gerade in der Polemik wahrte er Sachlichkeit. Er nahm seine Leser und Hörer ernst, indem er sie forderte.
Was ihn interessierte, war immer – mit einem von ihm gern gebrauchten Wort – der «Kunstwerkcharakter». Was er dabei nie aus dem Blick verlor, waren die politischen und soziologischen Aspekte des Musiklebens. Sein 1979 veröffentlichter Schallplattenführer, lesenswert auch heute noch, war ein erstes Zeugnis  dieser kritischen Arbeit. Auf die Impertinenz, die sich nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Christoph Vratz, Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Überforderung als Auszeichnung

Eine Mutprobe, elf Jahre lang. Fangen wir mit dem größten, letzten Wagnis an: Luigi Nono am Gärtnerplatz. «Intolleranza» in einem Haus, das einst auch Staatsoperette hieß. Herzenswunsch ­eines Intendanten, der in der Saison 1996/97 von Aachen über Mannheim an Münchens Gärt­ner­platz kam und hier seither die Ansprüche mit jedem neuen Stück hochschraubte. Klaus...

Entfesseltes Theater

Dem Regisseur Dietrich Hilsdorf ist es gelungen, sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines ewig jungen Wilden zu bewahren. Opernwerke wirken auf ihn wie Festungsanlagen. Diese wollen beschossen und danach erstürmt sein. Was danach kommt, präsentiert sich unterschiedlich. Entweder wird die Festung wieder aufgebaut, oder sie wird geschliffen. Dann bleibt vom...

Liebe in Zeiten des Phlegmas

Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist...