Der Unbeirrbare
Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als freundlich-gefällige Rezensionen, gerade, wenn es um Maschen, Moden und Manipulationen ging und um das mediale Build-up von Stars. Gelegentlich, in Momenten der Verärgerung, füllte er die Feder mit Vitriol.
In der Musikbranche war er gefürchtet. Doch war ihm die hämische Aggressivität, mit der heute billige Totschlagzeilen fabriziert werden, gänzlich fremd. Auch und gerade in der Polemik wahrte er Sachlichkeit. Er nahm seine Leser und Hörer ernst, indem er sie forderte.
Was ihn interessierte, war immer – mit einem von ihm gern gebrauchten Wort – der «Kunstwerkcharakter». Was er dabei nie aus dem Blick verlor, waren die politischen und soziologischen Aspekte des Musiklebens. Sein 1979 veröffentlichter Schallplattenführer, lesenswert auch heute noch, war ein erstes Zeugnis dieser kritischen Arbeit. Auf die Impertinenz, die sich nicht ...
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