Wahnsinn
Als Catherine Malfitano noch selbst auf der Bühne stand, spielte Donizettis «Lucia di Lammermoor» in ihrem Repertoire so gut wie keine Rolle. «Ich habe die Lucia lediglich in zwei Produktionen gesungen, ganz am Anfang meiner Karriere», erzählt die Sopranistin. Nun hat sie das Schauerstück an der Central City Opera in Colorado in Szene gesetzt. «Die Sicht vom Regiepult ändert alles, ich habe die Oper für mich völlig neu entdeckt.» Zum Beispiel, weil man sich nicht nur in eine, sondern in alle Figuren hineindenken und hineinfühlen muss.
«Mich interessiert plötzlich alles, was mit und um Lucia herum passiert», sagt Malfitano, «mir geht es um das ganze Panorama. Und: Ich habe mich hoffnungslos in diese Geschichte verliebt.»
Woran macht die Regisseurin ihre Faszination fest? Catherine Malfitano spricht über den größten Hit des Stücks, das berühmte Sextett. «Ich hatte vorher nie wirklich auf den Text geachtet, und jetzt ist mir klar geworden, dass es so etwas wie das ‹Vissi d’arte› dieser Oper ist. Lucia steht im Zentrum dieses Sextetts, sie ist der Brennspiegel, um den alles kreist. Das muss klar herauskommen. Es reicht nicht, wenn die sechs Solisten einfach ins Publikum singen. Denn ...
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Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Magazin, Seite 91
von Wesley V Blomster,Übersetzung: Albrecht Thiemann
Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...
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