Sturm und Drang
Mit dem Logo «OH!» – rote Großbuchstaben im roten Kreis – versucht die schwäbische Kreisstadt Heidenheim (50 000 Einwohner) Musikfreunde aus allen Regionen zu ihren Opernfestspielen zu locken, die seit den frühen siebziger Jahren im offenen Rittersaal auf Schloss Hellenstein stattfinden. Ein respektvolles «Oha!» kann sich auch der aus der Hauptstadt angereiste Kritiker nicht versagen, und das gilt nicht nur den künstlerischen Leistungen, sondern ebenso dem ausgeprägten Bürgersinn der Heidenheimer, die stolz sind auf ihr Festival und es sich etwas kosten lassen.
Vier Spalten füllt die Liste der Sponsoren im Programmheft. Geht man durch die Stadt, ist allenthalben von der Oper die Rede. Die Wirtin meines Hotels kommt zum Frühstück an meinen Tisch, versorgt mich mit Informationen und lockt als Gegenleistung eine Morgenkritik aus mir heraus.
In diesem Jahr war das Festival in Turbulenzen geraten, nachdem die Stadt den Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica, dem sie ein Vierteljahrhundert entscheidender Aufbauarbeit verdankt, fristlos entlassen hatte, angeblich wegen Etatüberziehungen. Mit dem Aachener GMD Marcus Bosch, einem gebürtigen Heidenheimer, fand sich zwar überraschend ...
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Frieder Bernius ist immer für eine Überraschung gut. Vor Kurzem erst holte er Schuberts unbekannte Oper «Sakontala» ans Licht, nicht lange danach legte er mit der Uraufführung von Justin Heinrich Knechts «Die Aeolsharfe» nach, die vor genau 200 Jahren in Stuttgart entstanden und seither im Archiv verstaubt war. Auch diese Ausgrabung liegt nun beim Label Carus auf...
Dazu gehört Mut: Zum 80. Geburtstag von Hermann Prey hat sich seine Familie kein ehrpusseliges TV-Denkmal gewünscht, sondern ein Porträt aus der teils freudesatten, teils aber auch schmerzlichen Erinnerung – und dazu den wichtigsten Teil selbst beigetragen. Martin Blum und Michael Harden haben die Idee aufgegriffen und sensibel umgesetzt. Man sieht den Bariton also...
Il grande cacciatore. Irgendwie erinnert die stete Jagd Giacomo Puccinis (der im Übrigen auch echtes Wild mit großer Begeisterung erlegte) nach Frauenliebe an Max Frischs Schauspiel «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», in dem der Titelheld an der Einsicht reift, wirkliche Erfüllung im realen Leben nicht finden zu können, und sich deswegen in die Geometrie...
