Wagners Figuren sind uns fern

Achim Freyer, Plácido Domingo und James Conlon über den ersten «Ring»-Zyklus an der Los Angeles Opera

Opernwelt - Logo

Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine Kunstwelt, die in sich zu ruhen scheint, mythisch aufgeladen, zugleich radikal persönlich. Bei dieser Kombination denkt man unwillkürlich an Träume, wo ja auch Archetypen an Bilder rein privater Natur andocken.

Ist es diese Mischung, die Freyer anstrebt?
«Der Begriff ‹Traum› ist sicher falsch», erklärt Freyer. «Es handelt sich um eine Ebene, die wir nicht kennen, eine Ebene des Ungesehenen. Wie ist die Welt entstanden? Wie ist Wasser, wie sind Feuer, Erde, Luft entstanden? Wie hat sich die Götterwelt eingestellt? Aus dieser Ungesehenheit, aus der ganzen unbewussten Wahrnehmung der Welt, aus der Spekulation, die man darüber gemacht hat, ist man verführt, Bilder zu schaffen. Jeder trägt diese Bilder in sich. Sie sind nicht Realität und sind nicht Traum.»
Wenn man Achim Freyer zuhört, hat man das Gefühl, als verfolge man einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alberich als Jedermann

Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...

Routiniert und inspiriert

Dass Donizettis «Liebestrank» auf der Szene schwieriger zu mischen ist als der Trank Isoldes, auf den sich der Titel bezieht, merken viele Regisseure erst, wenn sie ihre Arbeit beendet haben. Die Komödie mit der «heimlichen Träne» hat nämlich mehr Tiefgang, als ihr Plot auf den ersten Blick vermuten lässt.
Laurent Pelly, der sich mit seinen Offenbach-Inszenierungen...

Verwüstungen der Liebe

«Die Schrecken der Oper sind süß», heißt es in Heiner Müllers «Quartett». Es war die Idee des Regisseurs Thomas Bischoff, zwischen Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Schönbergs «Erwartung» eine Kurzversion von Heiner Müllers Schauspiel «Quartett» zu setzen und so den Reigen der Paare, der als knallbunter Werbefoto-Fries den Abend begleitet, bis in die...