Ein Leben unter der Perücke
Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und Lebensumstände Georg Friedrich Händels mit dem Blick des 21.
Jahrhunderts betrachtet, stellt sich vor allem eine Frage: War der Mann am Ende schwul?
In seiner neuen Biografie hat sich Franzpeter Messmer dieser Frage gestellt, und prompt taucht sie wie ein roter Faden in allen Lebensetappen des Komponisten auf. War es wirklich nur eine Hakelei über musikalische Zuständigkeiten, die zum Zweikampf des 19-jährigen Händel mit seinem Busenfreund Johann Mattheson führte? Hatte der homosexuelle Medici-Prinz Gian Gastone, der Händel bald darauf anbot, in seinem Gefolge nach Italien zu reisen, rein künstlerische Interessen? Hatte der Papstneffe Benedetto Pamphili, der Händel in einer Ode feierte und mit der Vertonung seines Oratoriums «Il trionfo del tempo e del disinganno» beauftragte, wirklich keinen Grund, sich etwas von dem jungen, nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde....
Wann immer man sich einer Ritter-Roland-Oper nähert, ist eines gewiss: Die Handlung wird turbulent, es geht chaotisch zu im Zauberreich der Alcina. Es wird wild geliebt, gehasst und gestritten. Was für den vielfach erfolgreich wiederbelebten «Orlando furioso» von Antonio Vivaldi gilt, funktioniert jetzt auch im Stadttheater Gießen mit Haydns «Orlando paladino»....
In den achtziger Jahren begann das italienische Label Nuova Era den auf dem Opernsektor etwas festgefahrenen Schallplattenmarkt durch Ausgrabungen oft entlegener Werke vor allem aus der Ära des Belcanto aufzumischen. Der Reiz der Neuheit musste bei diesen Publikationen oft beträchtliche klangtechnische und auch künstlerische Defizite aufwiegen. Sobald der...
