Der Ursprung ist das Ziel
Das Wagnis einer abenteuerlichen Zeitreise in die Vergangenheit stand auf dem Programm der 32. Karlsruher Händel-Festspiele: die historisch genaue Bühnenumsetzung von Händels Oper «Radamisto» 289 Jahre nach ihrer ersten Aufführung im Londoner King’s Theatre 1720. Wie es geklungen hat, glauben wir nach fünfzig Jahren Umgang mit der historisch informierten Aufführungspraxis zu wissen – auch wenn unsere Wahrnehmung eine andere ist als die der damaligen Zuhörer.
An die geschärften Klänge der historischen Instrumente und ihr raueres Timbre, an die schlankeren, geraderen Stimmen der Solisten haben wir uns längst gewöhnt, ja setzen sie schon als selbstverständlich voraus. Die Stücke allerdings – Figuren, Handlung, Text – werden vom modernen Regietheater meist als Lizenz zur Willkür benutzt. Die Beliebtheit barocker Oper heutzutage rührt gewiss auch daher, dass sie dank ihrer offenen Form sich geradezu als Tummelwiese von Aktualisierung, Ironisierung und Persiflage anbietet, auf der man nach Gusto die Musiknummern umstellen oder die Handlung gänzlich umfunktionieren kann.
Der von der belgischen Regisseurin und Choreografin Sigrid T’Hooft in dieser Konsequenz erstmals unternommene Versuch ...
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«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
Ein Symbol Berlins? Na klar, das Brandenburger Tor. Die Opernhäuser jedenfalls sind es nicht. Haben sie eine Chance, es jemals zu werden? Wie könnten sie dahin kommen? «Zwischen Aufbruch und Ärgernis» hieß ein Diskussionsabend am 16. Februar, zu dem «Opernwelt» gemeinsam mit der Stiftung Zukunft Berlin und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste eingeladen...
