Der Ursprung ist das Ziel

Die Karlsruher Händel-Festspiele bringen «Radamisto» in einer historischen Rekonstruktion

Opernwelt - Logo

Das Wagnis einer abenteuerlichen Zeitreise in die Vergangenheit stand auf dem Programm der 32. Karlsruher Händel-Festspiele: die historisch genaue Bühnenumsetzung von Händels Oper «Radamisto» 289 Jahre nach ihrer ersten Aufführung im Londoner King’s Theatre 1720. Wie es geklungen hat, glauben wir nach fünfzig Jahren Umgang mit der historisch informierten Aufführungspraxis zu wissen – auch wenn unsere Wahrnehmung eine andere ist als die der damaligen Zuhörer.

An die geschärften Klänge der historischen Instrumente und ihr raueres Timbre, an die schlankeren, geraderen Stimmen der Solisten haben wir uns längst gewöhnt, ja setzen sie schon als selbstverständlich voraus. Die Stücke allerdings – Figuren, Handlung, Text – werden vom modernen Regietheater meist als Lizenz zur Willkür benutzt. Die Beliebtheit barocker Oper heutzutage rührt gewiss auch daher, dass sie dank ihrer offenen Form sich geradezu als Tummelwiese von Aktualisierung, Ironisierung und Persiflage anbietet, auf der man nach Gusto die Musiknummern umstellen oder die Handlung gänzlich umfunktionieren kann.
Der von der belgischen Regisseurin und Choreografin Sigrid T’Hooft in dieser Konsequenz erstmals unternommene Versuch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gleißende Düsternis

Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt...

Unerlöst

Endlich singt Bryn Terfel in London wieder Wagner. Die ersten zyklischen Aufführungen von Keith Warners «Ring» im September 2007 gingen bekanntlich ohne ihn über die Bühne – eine riesige Enttäuschung, zumal die Produktion stark auf seinen Wotan zugeschnitten war. Jetzt meldete er sich mit einer Rolle an Covent Garden zurück, die er unlängst für die Welsh National...

In den Vorhöfen der Existenz

Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sons­tiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...