Wachgeküsst

Allen Widrigkeiten zum Trotz: Max Emanuel Cencic gelingt mit der Erstauflage von Bayreuth Baroque im Markgräflichen Opernhaus ein großer Wurf

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«Ein Verbrechen, das einem die Krone bringt, ist keines.» Fast beiläufig lässt Lottario, der Enkel Karls des Großen, im Rezitativ diese Bemerkung fallen. Ein Credo – nicht nur seines, sondern dieser ganzen schrecklichen Familie, überhaupt all jener, deren Macht- und Besitzgeilheit sie über Leichen steigen lässt. Der Erste verröchelt schon am Boden, während George Petrou sein Orchester Armonia Atenea durch die Ouvertüre treibt. Den letzten Toten gibt es zum munteren Schlussensemble, diesmal trifft es Lottario selbst. Ein neuer Clan-Chef wird an seine Stelle treten.

Und deshalb ist die historische Folie auch egal. Ob Machtkämpfe der Karolinger oder wie hier ein Sippenzwist im Kuba der 1920er-Jahre – die Kraftfelder bleiben dieselben. Vor allem aber bietet die Verpflanzung einen aparten Kontrast. Im Zuschauerraum der atemraubend wuchernde Bayreuther Barock, auf der Bühne eine karibische Hazienda vom Speisesaal über die Bibliothek bis zum Palmen-Patio. Ein wenig verranzt das Ganze, die Luftfeuchtigkeit unweit Havannas kriecht auch hier in die Wände.

Es ist eine doppelte Belebung, die Max Emanuel Cencic veranstaltet. Zum einen die des Markgräflichen Opernhauses, das die ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel

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