Die Unvollendete
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg hinausfinden aus der Umklammerung. Im Fall von Antje Kaiser war es stets der Weg zum Denken hin, zum Analysieren, zu diesem tief verankerten, sehnlichen Wunsch, die Realität möge eine andere, bessere sein.
2016 ist sie gestorben, viel zu früh, als Mutter einer noch sehr kleinen Tochter. Ihr, Alba Rosa Kaiser, ist jener geschmackvolle und inhaltsreiche Band gewidmet, der Leben und Wirken der 1961 im thüringischen Gotha geborenen Dramaturgin, Regisseurin und Dozentin würdigt, aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln heraus. Die Vita Kaisers machte dies zwingend notwendig. Ihre Talente waren vielfältig. Dem Studium der Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin schloss sich ein Zusatzstudium in Schauspiel- und Bewegungsunterricht an der Ernst-Busch-Hochschule an. Eine Zeitlang stand Antje Kaiser auch als ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Arg viel wissen wir nicht über dieses Mädchen. Sie lernt Peer Gynt beim Tanz kennen und ist gleichermaßen abgestoßen wie angezogen von seinem ungeschlachten Wesen. Und – sie ist geduldig. Solveig wartet und erträgt es in stoischer Ruhe, dass dieser «Peer Leichtfuß» sie immer wieder verlässt. Am Ende wird er ja doch zurückkehren in ihren Schoß. Wer weiß, ob diese...
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
Lullys letzte, 1686 uraufgeführte Oper «Armide» überdauerte alle Stürme der Zeit und stand bis 1766 regelmäßig auf dem Spielplan der Pariser Opéra – in freilich zunehmend übergriffiger Bearbeitung, bis ihr schließlich Glucks Opernreform, wie der französischen Tragédie en musique insgesamt, das Lebenslicht ausblies. Als Gluck dann 1777 das Sakrileg beging, Philippe...
