Die Unvollendete
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg hinausfinden aus der Umklammerung. Im Fall von Antje Kaiser war es stets der Weg zum Denken hin, zum Analysieren, zu diesem tief verankerten, sehnlichen Wunsch, die Realität möge eine andere, bessere sein.
2016 ist sie gestorben, viel zu früh, als Mutter einer noch sehr kleinen Tochter. Ihr, Alba Rosa Kaiser, ist jener geschmackvolle und inhaltsreiche Band gewidmet, der Leben und Wirken der 1961 im thüringischen Gotha geborenen Dramaturgin, Regisseurin und Dozentin würdigt, aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln heraus. Die Vita Kaisers machte dies zwingend notwendig. Ihre Talente waren vielfältig. Dem Studium der Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin schloss sich ein Zusatzstudium in Schauspiel- und Bewegungsunterricht an der Ernst-Busch-Hochschule an. Eine Zeitlang stand Antje Kaiser auch als ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Klingt diese Musik anders, wenn man weiß, dass sie auf den Rückseiten von Deportationsformularen notiert wurde? Von Theresienstadt, wo sie 1944 unter den absurden Umständen eines KZ mit «Kultur» entstand, ging der Weg für viele nach Auschwitz, auch für Viktor Ullmann. Seine dritte, mit dem jungen Dichter Peter Kien zusammengedachte Oper, für Lager-Kammerbesetzung...
Adornos Diktum klebt fest, auch wenn es immer wieder infrage gestellt und kritisch gewendet worden ist: Nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, sei barbarisch. Und gar eine «Auschwitz-Oper»? Auch wenn es fragwürdig sein mag, einen solchen Begriff auf «Die Passagierin» von Mieczysław Weinberg anzuwenden: Die Notwendigkeit des Erinnerns ist ein Wesenskern der...
Der uralte Obsthain ist abgesperrt, der Garten ums Theater überwuchert. Dass man hierher nicht durch die Formschnittanlagen des Herrenhauses geleitet wird, sondern durch von Bauarbeiten verwüstete Brachen, sagt einiges. Dass hier überhaupt etwas stattfindet, aber auch. Festivalchefin Wasfi Kani war eine der ersten, die auf den britischen Inseln wieder etwas wagte,...
