Vorsicht, Höhengefahr

Elsa Dreisig mutet sich mit ihrem neuen Album «Invocation» wohl doch ein bisschen zu viel zu

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Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum jemand auf der Opernbühne zu vollführen. Und auch für das Studio ist Rusalkas «Lied an den Mond» bei angemessener stimmlicher Kapazität wie geschaffen.

Elsa Dreisig hat das Ges-Dur-Gebet an den Anfang ihres neuen Albums «Invocation» gestellt. Und gleich mit den ersten Tönen, in denen sie sich, vom Orchestra dell’Opera Felice Genova unter Massimo Zanetti zartfühlend begleitet, hervortastet zu Wesen, Weltanschauung und Empfindungswelt der Nymphe, zeigt die Sopranistin, über welche vokale Verführungsmacht sie gebietet. Insbesondere in der Mittellage klingt ihre Stimme sanftsamtig und seidenglänzend – man wähnt sich an einem Frühlingsabend in Arkadien, so anmutig und apart ist das.

Doch, ach, was geschieht da plötzlich? Kaum überquert Elsa Dreisig die Schneegrenze (das zweigestrichene «F»), wirft sich ein Schatten auf ihre ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein

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