Vorsicht, Höhengefahr
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum jemand auf der Opernbühne zu vollführen. Und auch für das Studio ist Rusalkas «Lied an den Mond» bei angemessener stimmlicher Kapazität wie geschaffen.
Elsa Dreisig hat das Ges-Dur-Gebet an den Anfang ihres neuen Albums «Invocation» gestellt. Und gleich mit den ersten Tönen, in denen sie sich, vom Orchestra dell’Opera Felice Genova unter Massimo Zanetti zartfühlend begleitet, hervortastet zu Wesen, Weltanschauung und Empfindungswelt der Nymphe, zeigt die Sopranistin, über welche vokale Verführungsmacht sie gebietet. Insbesondere in der Mittellage klingt ihre Stimme sanftsamtig und seidenglänzend – man wähnt sich an einem Frühlingsabend in Arkadien, so anmutig und apart ist das.
Doch, ach, was geschieht da plötzlich? Kaum überquert Elsa Dreisig die Schneegrenze (das zweigestrichene «F»), wirft sich ein Schatten auf ihre ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Ergeben reißt ein schmalschultriger, lockenköpfiger Junge die Arme nach oben – und fällt in die Tiefe. Ist er gestolpert? Hat er sich absichtlich hinunter in den Tod gestürzt? Oder ist er vor Erschöpfung schlicht zusammengebrochen? Und was hat sein Lehrmeister, der Fischer Peter Grimes, damit zu tun, der von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt wird und in dessen...
Für das stetig anwachsende Interesse an der französischen Oper des 18. Jahrhunderts gibt es zahlreiche und vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl das Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das nicht nur exzellente Editionen bisher kaum beachteter Bühnenwerke herausgibt, sondern ganz bewusst auch Aufnahmen dieser Raritäten initiiert und...
Für eingefleischte Wagnerianer, die sich trotz winterlicher Kälte auf den Weg in die Hamburgische Staatsoper begeben hatten, wurde der 18. Januar 1998 zum Tag des Zorns. An diesem Abend trat die Sünde in die Welt, Sodom und Gomorrha gewissermaßen. Und all jene Jünger, die sich gottgleich im Besitz der Wahrheit wähnten, vereinten sich daraufhin zum erzreaktionären...
