Vorsicht, Höhengefahr
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum jemand auf der Opernbühne zu vollführen. Und auch für das Studio ist Rusalkas «Lied an den Mond» bei angemessener stimmlicher Kapazität wie geschaffen.
Elsa Dreisig hat das Ges-Dur-Gebet an den Anfang ihres neuen Albums «Invocation» gestellt. Und gleich mit den ersten Tönen, in denen sie sich, vom Orchestra dell’Opera Felice Genova unter Massimo Zanetti zartfühlend begleitet, hervortastet zu Wesen, Weltanschauung und Empfindungswelt der Nymphe, zeigt die Sopranistin, über welche vokale Verführungsmacht sie gebietet. Insbesondere in der Mittellage klingt ihre Stimme sanftsamtig und seidenglänzend – man wähnt sich an einem Frühlingsabend in Arkadien, so anmutig und apart ist das.
Doch, ach, was geschieht da plötzlich? Kaum überquert Elsa Dreisig die Schneegrenze (das zweigestrichene «F»), wirft sich ein Schatten auf ihre ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Wie konnte so ein großer Dirigent so ein großer Nazi sein?», fragte der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel den Pianisten Alexis Weissenberg, der mit Herbert von Karajan während der 1970er-Jahre mehrfach auftrat. Die klare Antwort Weissenbergs, jüdischer Herkunft wie Wiesel: «Er war kein Nazi. Es ist ein großes Unrecht, ihn Nazi zu nennen.»
Was ist...
Auf den Stufen zur Oldenburger Friedenssäule haben es sich zwei junge Frauen in Jeansjacke und Sonnenbrille bequem gemacht. Sie blinzeln zufrieden in den Frühlingshimmel und trinken heißen Tee aus mitgebrachten Thermoskannen. Der Sockel der 6,5 Meter hohen Säule ist leer. Ursprünglich stand ein Engel aus Bronze darauf, doch der wurde 1943 eingeschmolzen, um den...
Vielleicht denkt Regensburgs Intendant Sebastian Ritschel bisweilen an Donald Trumps Motto «We are tired of winning». Tatsächlich hagelte es zuletzt diverse Auszeichnungen für das mittelgroße Stadttheater, welches in Kürze auch noch zum Staatstheater geadelt wird, was einerseits Prestige bedeutet, andererseits mehr Geld bringen dürfte. Kann man prima verwenden für...
