Die Möglichkeit einer besseren Welt
Auf den Stufen zur Oldenburger Friedenssäule haben es sich zwei junge Frauen in Jeansjacke und Sonnenbrille bequem gemacht. Sie blinzeln zufrieden in den Frühlingshimmel und trinken heißen Tee aus mitgebrachten Thermoskannen. Der Sockel der 6,5 Meter hohen Säule ist leer. Ursprünglich stand ein Engel aus Bronze darauf, doch der wurde 1943 eingeschmolzen, um den deutschen Vernichtungskrieg zu finanzieren. Geblieben ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Leerstelle.
Sie steht symbolisch für die Menschen, die von der Geschichte vergessen und aus der öffentlichen Erinnerungskultur herausgefallen sind. Viele von ihnen – das dürfte keine große Überraschung sein –waren Frauen. Ihnen widmet das Staatstheater einen geführten Audiowalk unter dem Titel «Wir werden uns erinnert haben». Ein Cyborg namens MesyneMo, eine sogenannte «erinnernde Intelligenz», führt durch die Innenstadt, erinnert an wichtige Oldenburgerinnen und stellt den Prozess des Erinnerns in den Kontext gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse: «Orte des Erinnerns sind umkämpft. Sie sind Teil einer Diskussion um die Anerkennung auch von kolonialer und rassistischer Gewalt, um die Erinnerung an die Geschichte von marginalisierten ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Opernwelt auf Landpartie, Seite 64
von Anna Schors
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Ach ja, das Ende. Heiß umstritten ist es bis heute, ziemlich genau 100 Jahre nach der politisch brisanten Uraufführung an der Mailänder Scala – Arturo Toscanini hatte sich für den Fall, dass Benito Mussolini im Saal sitzen und zu dessen Ehre die Hymne der Faschisten, die sogenannte «Giovinezza», gespielt werden würde, geweigert, den Abend zu dirigieren, und ging...
Wie konnte so ein großer Dirigent so ein großer Nazi sein?», fragte der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel den Pianisten Alexis Weissenberg, der mit Herbert von Karajan während der 1970er-Jahre mehrfach auftrat. Die klare Antwort Weissenbergs, jüdischer Herkunft wie Wiesel: «Er war kein Nazi. Es ist ein großes Unrecht, ihn Nazi zu nennen.»
Was ist...
