Amelias Abend
Maskierungen und Verschleierungen auf der Opernbühne scheinen oft ein Fall für die Humorforschung. Bisweilen wirken die Figuren seltsam begriffsstutzig: Geht eine Frau neben einem Mann, und weil sie sich abwendet, merkt er nicht, dass es die eigene ist. Bei einem Maskenball hingegen fischen zwei Liebende einander so schnell aus dem Pulk, als hätten sie sich ein (für andere unsichtbares) Herz auf die Stirn geklebt. Das ist zwar schreiend unrealistisch, doch für die Binnenlogik des Theaters handelt es sich um eine lustig deformierte Wirklichkeit.
Humorvoll lässt sich auch der erste Akt der Neuinszenierung von Verdis «Maskenball» im Duisburger Haus der Deutschen Oper am Rhein an. König Gustavo tanzt über Sitzecken wie ein Aristokrat, der sich selbst den Hampelmann erlaubt. Atze Schröder, blaublütig. Während die Verschwörer hinten in grauen Anzügen (Tine Schwab) herumstehen, trägt der Monarch gelb-blaue Morgenkluft. Wir befinden uns also in Schweden, wo Verdi seinen «Ballo in maschera» ursprünglich ansiedelte, bis die Zensur eine Verlegung der Handlung nach Boston erzwang. Regisseur Stein Winge lässt diesen Weg nach Neu-England, wo aus dem König ein Gouverneur wurde, im Bühnenbild ...
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Als wär’s ein von Magritte gemalter Meteorit, liegt inmitten der Puppenstuben-Idylle ein großer Stein, auf dem die Titelfigur thront – am Schreibtisch. Regisseur und Ausstatter Jürgen Rose hat dieses Bild der Isolation sinnig erdacht, doch szenisch glaubhaft wird es nicht. Denn das Zeichen für die Omnipräsenz des Briefdichters würde erst Sinn machen, wenn er...
In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus...
Würde man die neue «Carmen» in Covent Garden an der Zahl der Hintern messen, die sie auf die Stühle des Royal Opera House lockt, müsste man sie einen spektakulären Hit nennen. Francesca Zambellos Inszenierung gibt dem Publikum Zucker, die Produktion wird sich zweifellos als ebenso langlebige wie profitable Repertoire-Nummer bewähren.
Macht man das Urteil indes an...
