Kreiselnde Leidenswelt
Keine Szene für Klaustrophobe. Überall drückt diverses Inventar. Die Kajüte bietet keinen wirklichen Freiraum. Waschbecken, Sessel, Koffer und Kisten. Im Hintergrund, zunächst ein wenig versteckt, steht eine durchsichtige Konserve. Darin, blutverschmiert, ein Kopf: Morold, Isoldes erschlagener Ex-Bräutigam. Ein Souvenir, ein seelischer Anker dieser Kopf. Isolde umkost ihn, zieht ihn heraus, wischt ihm den Mund.
Die von Klaus Grünberg entworfene Bühne für Essens neue «Tristan»-Produktion ist klein und wird von Akt zu Akt kleiner.
Aus der Kajüte im ersten Akt, die in die nachtschwarze Bühnenwand eingelassen ist, wird im zweiten Akt eine quadratische, Spaceshuttle-ähnliche Box mit zwei Fenstern, einer Tür, dazu einer Lampe und einer Schale mit Obst. Das wirkt kahl und in seinem Silberdekor auch kühl. Dann, beim Liebesduett der herniedersinkenden Nacht, neigt sich das Zimmer, langsam, in Zeitlupentempo. Es beginnt sich um die eigene Achse zu drehen, 360 Grad für rund vierzig Minuten Zaubertrank-Wonnen. Anschließend folgt eine weitere Drehung im Zeitraffer. Zum Raum wird hier die Zeit? Spätestens im dritten Akt ist dies der Fall. Die Stube ist nochmals schmaler geworden. Doch ...
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