Von Träumen und Traumata
Von einer Pendlerpauschale ist nichts bekannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmächtiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leistete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hosterwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der Hofoper aufzubauen hatte. In Dresden fand Weber nicht nur seinen Lebensmittelpunkt, sondern auch die innere Balance, die er brauchte, um komponieren zu können.
Von Hosterwitz suchte er gern die damals noch ganz unerschlossene Sächsische Schweiz auf, ohne die die Wolfsschlucht im «Freischütz» undenkbar ist. Oder die Keppmühle, wo er die «Aufforderung zum Tanz» erstmals vorführte. «Ich lebe in herrlicher Natur, die es mir erlaubt, einmal ganz mir selbst und meinem inneren Treiben zu leben», heißt es in einem Brief vom Juli 1818. Das alte Winzerhaus ist heute renoviert und gehört als Außenstelle zum Dresdner Stadtmuseum. Es bietet eine eigene Konzertreihe, viele Faksimiles und Webers Familie in Öl. Man sieht das Arbeitszimmer, Webers Stimmgabel, seinen Taktstock, mit dem er, als erster Dirigent überhaupt, versuchte, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er hat das moderne Regietheater praktiziert, als es den Begriff noch gar nicht gab. 1961 inszenierte Bohumil Herlischka in Düsseldorf einen «Freischütz», der auf empörte Ablehnung stieß und ihm trotz vorangegangener spektakulärer Erfolge wie mit der Ausgrabung von Schostakowitschs Urfassung der «Lady Macbeth von Mzensk» (1959) fast ein Arbeitsverbot einbrachte....
Herr Dresen, uns war bislang gar nicht bekannt, dass Sie sich für Oper interessieren...
Mir war das offen gestanden auch nicht bewusst. Bis eines Tages Michael Schindhelm, der Direktor des Theaters Basel, bei mir anrief und fragte, ob ich nicht Lust habe, mal eine Oper zu inszenieren. Das war vor sechs Jahren, er hatte meinen Film «Nachtgestalten» gesehen....
Herr Klebe, Sie haben eine Oper über Balzacs «La Peau de Chagrin», einen der Romane der «Comédie humaine», komponiert. Wie kam es zur Wahl dieses Stoffs?
Es ist jetzt fast fünfzig Jahre her, seit ich «Die tödlichen Wünsche» geschrieben habe. Ich habe damals mit meiner Frau zusammen sehr viel Balzac gelesen und war spontan überzeugt, dass das ein Opernstoff wäre....
